Klaviersonate cis-Moll, op. 27,2 ("Mondscheinsonate") | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Ludwig van Beethoven

Klaviersonate cis-Moll, op. 27,2 ("Mondscheinsonate")

Sonata quasi una Fantasia cis-Moll, op. 27,2 („Mondscheinsonate“)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 3131

Satzbezeichnungen

1. Adagio sostenuto

2. Allegretto

3. Presto agitato

Erläuterungen

2003
LUDWIG VAN BEETHOVEN
Sonate cis-Moll, op. 27,2

Den jungen Beethoven am Pianoforte zu erleben, muss für die Wiener ein Schock gewesen sein. „Mit dem Feuer der Jugend trat er kühn (um heftige Leidenschaften auszudrücken) in weit entfernte Tonleitern. In diesen erschütternden Aufregungen wurde mein Empfindungsvermögen sehr getroffen“, berichtete der Zeitgenosse Johann Schenk. Weniger vornehm beschrieb es der Pianist Abbé Gelinek: „ein kleiner häßlicher, schwarz und störrisch aussehender junger Mann“, aber: „in dem jungen Menschen steckt der Satan. Nie hab‘ ich so spielen gehört! (Er spielte) eigene Kompositionen, die im höchsten Grade wunderbar und großartig sind, und er bringt auf dem Klavier Schwierigkeiten und Effekte hervor, von denen wir uns nie etwas haben träumen lassen.“

Von höchster Leidenschaftlichkeit im Finale und von „wunderbaren“ Wirkungen im berühmten Kopfsatz ist die cis-Moll-Sonate, op. 27,2 durchdrungen. Dies hat ihr viel an romantisch gefärbtem Mythos eingetragen, bis hin zur biedermeierlichen Formel von der „Mondscheinsonate“, die Ludwig Rellstab aufbrachte. Da Beethoven sie außerdem der Comtesse Giulietta Guicciardi widmete, einer der Kandidatinnen für seine „unsterbliche Geliebte“, kam hier alles zusammen, um einen romantischen Mythos in die Welt zu setzen. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Stilexperiment Beethovens, mit dem er eine neue Richtung einschlug. 1802, nach der Niederschrift seines Heiligenstädter Testaments, richtete er an einen Freund einen Brief, in dem er bekundete, dass er mit seiner bisherigen Art zu komponieren unzufrieden sei. Als Reaktion darauf komponierte er die beiden Sonaten des Opus 27. Sie stehen unter dem Vorzeichen der freien Fantasie, wie der Titel Sonata quasi una fantasia anzeigt. Beethoven ließ sich hier vom Bild des am Klavier improvisierenden Tonschöpfers inspirieren – kein romantisches Klischee, sondern Lebenswirklichkeit jedes Claviervirtuosen in Wien um 1800. Statt an den Mondschein sollte man eher an eine Art Meditation über eine Tragödienszene von Shakespeare oder Goethe denken. Nachweislich hat sich Beethoven davon anregen lassen. Das Finale gemahnt an die zitierten Augenzeugenberichte von seinem ungestümen Klavierspiel.