"Till Eulenspiegels lustige Streiche" | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Richard Strauss

"Till Eulenspiegels lustige Streiche"

„Till Eulenspiegels lustige Streiche“, Fassung von David Carp

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 3134

Satzbezeichnungen

Comodo – Molto vivace – Più comodo – Molto vivace

Erläuterungen

2004
RICHARD STRAUSS
Till Eulenspiegel (Arr. von Carp)

Geister ungetrübten Frohsinns, einer eher rheinischen denn bajuwarischen Unbotmäßigkeit treiben im Finale unseres Konzerts ihr Unwesen. Es ist Till Eulenspiegel, der Held der mittelalterlichen Schelmengeschichte, der hier in verschiedenen Episoden den Schildbürgern zusetzt – und umgekehrt. Ursprünglich wollte Richard Strauss diesen Stoff für eine zweite Oper nach seinem Bühnenerstling Guntram benutzen, doch es blieb bei Entwürfen zum ersten Akt mit dem Titel Till Eulenspiegel bei den Schildbürgern. Strauss verwandelte das Material des Bühnenwerks dann kurzerhand in eine nicht minder theatralische sinfonische Dichtung: Till Eulenspiegels lustige Streiche. Nach alter Schelmenweise – in Rondeauform – für großes Orchester gesetzt. Im Mai 1895 vollendet, trat sie nach der Uraufführung im Kölner Gürzenich unter Franz Wüllner ihren Siegeszug durch die Konzertsäle Europas an.

Statt des großen Orchesters agieren in der Fassung von David Carp nur ein Bläserquintett und Klavier; dennoch bleiben viele Züge der Originalinstrumentierung erhalten wie natürlich das kesse Hornthema.
„Nach Schelmenweise“ hat Strauss die Rondoform für seine Zwecke gedeutet und genutzt. Dem „gemächlichen“ Hauptthema, dessen Motto „Es war einmal ein Schelm“ die Ereignisse auf eine märchenhafte Ebene hebt, treten nacheinander vier Episoden gegenüber. Sie näher zu erläutern, würde sich eigentlich verbieten, da sich der Komponist strikt weigerte, dem Dirigenten der Uraufführung ein Programm an die Hand zu geben: „was ich mir bei den einzelnen Teilen gedacht habe, würde in Worte gekleidet sich oft genug seltsam ausnehmen, vielleicht sogar Anstoß erregen“. Der Münchner Strauss hat offenbar den Humor der Rheinländer, insbesondere der Kölner unterschätzt. Musikalisch hat er seine Absichten so deutlich gemacht, dass man ohnehin hört, was er meinte.

In der ersten Episode stellte er den Ritt des Eulenspiegel mitten in die Töpfe der keifenden Marktweiber hinein dar, in der zweiten die Predigt des in die Kutte gekleideten Schelms, dessen große Zehe freilich laut Strauss in der Unterstimme des (Kontra-)Fagotts hervorlugt.

Die dritte Episode vereint zwei Streiche: Eulenspiegels vergeblichen Versuch, bei den Mädchen anzukommen, und seine fingierte Kandidatur bei einem Gelehrtenkreis, dessen Disput in einem Kanon daherkommt. In der letzten Episode ereilt den Schelm sein Schicksal: er wird vor Gericht gestellt, und mit einer leeren Quint stellen die Bläser die Frage nach der Schuld. Eulenspiegel pfeift unschuldig sein Thema, doch ein Septsprung verkündet das Todesurteil. Am Galgen schneidet er seine letzte Grimasse, bevor das Schelmenthema und der rasche Schluss einen versöhnlich-ironischen Schlenker machen.