Concertino D-Dur, Hob. II: D 14 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Joseph Haydn

Concertino D-Dur, Hob. II: D 14

Concertino D-Dur für Oboe, zwei Hörner, zwei Violinen, Violoncello obligato und Bass, Hob. II: D 14

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 784

Satzbezeichnungen

1. Allegro moderato

2. Un poco Adagio

3. Rondo

Erläuterungen

JOSEPH HAYDN spielte in den Quartettprogrammen des jungen Hindemith keine große Rolle – trotz der Berührungspunkte, die es zwischen beiden Komponisten gibt. Besonders die frühen Sinfonien und Divertimenti, die Haydnzwischen seinem 30. und 40. Lebensjahr in Etserházy komponierte, zeigen eine Hindemith vergleichbare Neigung zum Experimentieren mit den unterschiedlichsten Klangfarben und Satztechniken. In diese Phase gehört auch das D-Dur-Concertino, Hob. II: D14, vorausgesetzt, daß es sich um ein Originalwerk handelt. Wie viele Concertini und Kassationen ist es in nur einer Quelle unter Haydns Namen überliefert, und es ist durchaus möglich, daß es von einem anderen Meister (etwa Leopold Hofmann) stammt. Der Name Concertino wurde von süddeutschen Komponisten (z. B. Molter) für kleinere Werke im Stile des Concerto grosso verwendet.

Unser Kurs- und Konzertthema „Haydn – Hindemith – 19. Jahrhundert“ beruht auf einer Antithese, denn mit dem Ausruf„Dem Götzen Brahms opfert jedermann“ verabschiedete sich Paul Hindemith 1919 von dem „üblichen Schema“ der Programmgestaltung. „Wenn möglich keine oder nur eine Brahms-Sonate“ wollte der junge Bratschist im Konzert spielen, und auch Haydn und Beethoven wurden aus seinen Quartettprogrammen verbannt.

Dabei weisen die Sinfonien und Divertimenti, die JOSEPH HAYDN zwischen seinem 30. und 40. Lebensjahr in Esterházy komponierte, viele Parallelen zum frühen Hindemith auf. Solide Handwerklichkeit verbindet sich in ihnen mit der Freude am Experiment, besonders in den Klangfarben. Das D-Dur-Concertino, Hob. II: D14, ist eine Art Sinfonia concertante mit Soli für Oboe, Violine und besonders Cello. Sein Name leitet sich von spätbarocken Werken in der Tradition des Concerto grosso her, wie sie etwa Molter in Karlsruhe schrieb. Leider ist das Stück nicht mit Sicherheit Haydn zuzuschreiben. Die Haydn-Forschung hat gerade für Concertini in den letzten Jahren häufig andere Meister (etwa Leopold Hofmann) als Autoren ermittelt.

Virtuoses Cellospiel verband sich für die Wiener Klassiker vor allem mit einem Namen: Anton Kraft. Der 1749 in Böhmen geborene Virtuose war Joseph Haydns Solocellist in Esterháza, Mozarts Cellist in einer Aufführung seines Es-Dur-Divertimentos, KV 563, zu Dresden 1789 und noch für Beethoven ein so bedeutender Musiker, dass sich der Meister bei Erzherzog Rudolf für den „alten Kraft“ einsetzte. Dass man den 70-jährigen im Jahre 1820, wenige Monate vor seinem Tod, zum ersten Celloprofessor am Konservatorium der Musikfreunde ernannte, bestätigte seinen Rang als „erster Cellospieler Wiens“. Für seinen „schönen vollen Ton“ und seine „ungemeine Leichtigkeit und Sicherheit“ hatte ihn das Publikum auch außerhalb der Donaumetropole auf etlichen Konzertreisen bewundert.

Krafts mehr als zwanzig Dienstjahre im Orchester des Fürsten Esterházy wären sicher vergangen, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen, hätte ihm nicht Haydn zwischen 1778 und 1790 so manches Cellosolo in seinen Sinfonien und Streichquartetten, besonders aber sein D-Dur-Cellokonzert auf den Leib geschrieben. 1783 komponiert, ist dieses Stück heute „das“ Cellokonzert der Wiener Klassik schlechthin. Es war eine Ironie der Geschichte, dass man schon eine Generation nach Haydns Tod kolportierte, dieses Werk sei gar nicht vom Meister, sondern von dem Cellisten Kraft selbst komponiert worden. Erst 1953 tauchte Haydns Autograph wieder auf und konnte diese Echtheitszweifel entkräften. Tatsächlich ist das schöne Cellokonzert, das Anton Kraft komponierte, erst Jahre nach Haydns Werk und ganz nach dessen Vorbild entstanden. Auf ideale Weise hat der Eisenstädter Hofkapellmeister die Kunst seines Solocellisten hier inszeniert: im ersten Satz weiträumig virtuos, mit Doppel- und Akkordgriffen gespickt, im langsamen Satz nobel singend, im Finale tänzerisch leicht und in gefährlicher hoher Lage.