Nonett, op. 43 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Rudolf Karel

Nonett, op. 43

Nonett für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, op. 43

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1060

Satzbezeichnungen

1. Allegro con fuoco

2. Andante

3. Molto allegro

Erläuterungen

Das erste Werk des Abends führt uns in das düsterste Kapitel deutscher Musikgeschichte dieses Jahrhunderts: die Auslöschung einer ganzen Generation osteuropäisch-jüdischer Komponisten in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz in den Jahren 1943-45. Die Werke, die von den dort internierten polnischen und tschechischen Musikern geschrieben wurden, teils vor 1933, teils in den Zeiten der Verfolgung oder sogar noch im KZ – buchstäblich in den letzten Stunden vor dem Abtransport in die Gaskammer -, haben in den letzten Jahren im Konzertleben und auf Schallplatte eine Renaissance erlebt, die ihre Qualität, aber auch die Tragik der Lebensschicksale erschreckend deutlich werden ließ.
Zu den sogenannten “Theresienstadtkomponisten” gehörte auch der Böhme Rudolf Karel. Er zählt – neben Novák und Suk – zu den bedeutendsten Kompositionsschülern Antonin Dvoráks. Der Ingenieursohn aus Pilsen hatte in Prag eine hervorragende Ausbildung genossen und gelangte schon vor dem I. Weltkrieg zu internationalem Ruhm. Seine Werke wurden wie die seines Lehrers bei Simrock verlegt. Seit 1923 war er Professor für Komposition am Prager Konservatorium.
Sein Engagement für die Tschechoslowakische Legion 1918 setzte sich in den 20er Jahren in politischen Bildungsreisen, unter anderem in die Sowjetunion, fort. Nach dem Einmarsch der Deutschen in der Tschechoslowakei 1940 führten seine sowjetischen Neigungen zu seiner vorzeitigen Pensionierung. Nachdem er KZ-Flüchtlingen geholfen hatte, wurde er 1943 selbst in einem Prager Zuchthaus interniert und noch im Februar 1945 nach Theresienstadt verlegt. Dort schrieb er heimlich auf Toillettenpapier seine Märchenoper Try vlasy deda Vseveda (Drei Haare des allwissenden Greises). An der Ruhr erkrankt und von den Aufsehern brutal mißhandelt, starb er am 6. März 1945.
Das Nonett ist ein Werk dieser letzten Monate. Da Karel es nur noch skizzieren konnte, wurde es von F. Hertl im Dezember 1945 instrumentiert und posthum in der Tschechoslowakei verlegt. In seiner heutigen Gestalt ist es ein dreisätziges Werk spätromantischen Zuschnitts. Auf einen marsch-artigen Kopfsatz in g-Moll folgt ein Andante in E-Dur mit den für die Dvorák-Schule typischen Modulationen. Der dritte Satz in d-Moll/D-Dur ist ein Scherzo aus slawischen Tänzen. Ein Finale hat Karel nicht mehr geschrieben.