Cellosonate B-Dur, op. 45 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Cellosonate B-Dur, op. 45

Sonate Nr. 1 B-Dur für Violoncello und Klavier, op. 45

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1262

Satzbezeichnungen

1. Allegro vivace

2. Andante

3. Allegro assai

Erläuterungen

Die frühe Begabung FELIX MENDELSSOHN-BARTHOLDYS zeigte sich zuerst und am nachhaltigsten in der Kammermusik, die im großzügigen Berliner Haushalt seiner Familie ihren festen Platz hatte. Durch seinen Geigenlehrer und Freund Eduard Rietz gewann sie für Felix auch eine ganz persönliche Bedeutung, durch die einige seiner bedeutendsten Frühwerke inspiriert wurden, wie etwa das Oktett op. 20. Im selben Jahr wie dieses, 1825, komponierte Felix die f-Moll-Violinsonate, die von seiner damaligen Auseinandersetzung mit Beethoven zeugt. Noch Jahre später erinnerte er sich an die Zeit “als ich meine musikalische Thätigkeit auf meinem eigenen Wege anfing, und als Vater fortwährend in der übelsten Laune war, auf Beethoven und alle Phantasten schalt und mich darum oft betrübte.” Die Tonart f-Moll und der appassionata-Charakter des Stückes verweisen auf Beethovens gleichnamige Klaviersonate; auch der Anfang mit einem Rezitativ der unbegleiteten Violine ist ohne Beethoven nicht zu denken. Der Mendelssohn-Biograph Eric Werner hat gar die gesamte Sonate als bloße Imitation von Beethovens “Sturm”-Sonate, op. 31, abgetan. Ausgewogener erscheint das Bild, das Robert Schumann in seinen Musikkritiken vom frühen Mendelssohn zeichnete: “Im ersten Aufblühen seiner Jugend arbeitete er theilweise noch unter der Begeisterung Bach’s und Beethoven’s, obwohl bereits Meister der Form und des Kunstsatzes”; “und wenn auch den Davidsbündlern die meisten Jugendarbeiten Mendelssohns wie Vorarbeiten zu seinen Meisterstücken, den Ouvertüren, vorkommen, so findet sich doch im Einzelnen so viel Eigenthümlich-Poetisches, daß die große Zukunft dieses Componisten allerdings mit Sicherheit voraus zu bestimmen war.”
Das Unbehagen am Erfolg seiner Lieder ohne Worte für Klavier weckte in Mendelssohn Ende der 1830er Jahre ein neues Interesse an der Klavierkammermusik: “Zudem ist ein ganz bedeutender und mir sehr lieber Zweig der Claviermusik, Trios, Quartetten und andere Sachen mit Begleitung, so die rechte Kammermusik, jetzt ganz vergessen und das Bedürfniß, mal was Neues darin zu haben, ist mir gar zu groß. Da möchte ich auch gern etwas dazu thun”, schrieb er 1838 an Ferdinand Hiller. Im gleichen Jahr komponierte er die B-Dur-Cellosonate, op. 45.
Schumann hat ihr in der Neuen Zeitschrift für Musik eine Kritik gewidmet, die ihr Wesen treffend beschreibt: “Die Sonate ist … reinste, durch sich selbst gültigste Musik , eine Sonate, wie sie irgend je aus großen Künstlerhänden hervorgegeangen, im besonderen wenn man will, eine Sonate für feinste Familienzirkel, am Besten etwa nach einigen Goethe’schen oder Lord Byron’schen Gedichten zu genießen. Ueber Form und Styl noch mehr zu sagen, schenke man der Zeitschrift; man findet Alles in der Sonate besser und nachdrücklicher”. Diesem Rat schließt sich hiermit auch das Programmheft an.