Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz: Flötenquartett A-Dur, KV 298

Wolfgang Amadeus Mozart

Flötenquartett A-Dur, KV 298

Quartett A-Dur für Flöte, Violine, Viola und Violoncello, KV 298

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1369

Satzbezeichnungen

1. Andantino

2. Menuetto

3. Rondo. Allegretto grazioso

Erläuterungen

2004
W.A.MOZART
Flötenquartett in A, KV 298

Im Sommer 1778 lernte Mozart in Paris eine Gattung des Quartetts kennen, die man besonders in Frankreich schätzte: das Quatuor d’airs dialogués. In diesem Genre kleiner, leichter Quartette für Flöte und Streicher benutzte man Opernmelodien als thematisches Material. Neun Jahre später, im Sommer 1787 in Wien, hat Mozart seinen Beitrag zu diesem Genre komponiert: das A-Dur-Flötenquartett, KV 298.

Jener Sommer war der Arbeit am Don Giovanni und einer ausgelassenen Freundschaft gewidmet. Nachbarn der Mozarts waren damals nämlich der Wiener Botanikprofessor von Jacquin und seine Kinder Gottfried und Franziska, mit denen sich der Komponist rasch anfreundete. Während Vater von Jacquin gelehrte Zirkel abhielt, veranstalteten die Drei einen geselligen Kontrapunkt aus Billard, Kegeln und Musik, an dem Mozart umso lieber teilnahm, als er seine Werke gerne in so lebhafter Umgebung entwarf.

In diese Atmosphäre eines heiteren Wiener Vorstadtsommers passt das A-Dur-Flötenquartett ausgezeichnet. Auf seine eigenartige Form konnte man sich lange Zeit keinen Reim machen, bis die Forscher herausfanden, dass Mozart in den Variationen des ersten Satzes und im Rondo Themen aus Opern der damaligen Zeit verarbeitet hat ? seltsamerweise aus solchen, in denen er sich gelangweilt hat. Die Art ihrer kammermusikalischen Ausarbeitung ist denn auch alles andere als ernst. Im Finale hat Mozart dem Flötisten eine so unsinnige Tempoanweisung gegeben, dass man sie nur als Jux verstehen kann: “Rondieaoux. Allegretto grazioso, mà non troppo presto, però non troppo adagio. così – così – con molto garbo ed espressione”, was soviel heißt wie: “Rondeaux. Allegretto, graziös, aber nicht zu schnell und auch nicht zu langsam, soso, mit viel Ausdruck und Hingabe!” Der Adressat dieses humoristischen Rondo war der Flöte spielende Gottfried von Jacquin selbst, der mit Mozart an der Bratsche und zwei befreundeten Streichern diese launige Musik zum Besten gab.

Als Scherz für einen geselligen Wiener Abend befand Mozart das Stück nicht für wert, in sein eigenhändiges Werkverzeichnis eingetragen zu werden. Zum Zuhören aber liefert es genügend amüsanten Stoff: einen Variationensatz über ein leicht sentimentales, französisches Thema, zu dem jedes der beteiligten Instrumente sein Sprüchlein aufsagt, während die anderen in feinem Kammermusiksatz begleiten; ein Menuett, ebenfalls französisch angehaucht, mit einem virtuosen Flötensolo im Trio; und das erwähnte Rondeau, in dem Mozart ein Thema seines italienischen Konkurrenten Paisiello zitierte ? nicht ohne die etwas leirige Manier dieses typisch italienischen Ohrwurms auch kompositorisch durch den Kakao zu ziehen. Mozart und die Jacquins dürften viel gelacht haben an jenem Abend.