Streichquartett B-Dur, KV 46 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Wolfgang Amadeus Mozart

Streichquartett B-Dur, KV 46

Quartett B-Dur für zwei Violinen, zwei Viola und Violoncello, KV 46

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1380

Satzbezeichnungen

1. Largo

2. Menuetto-Trio I-Trip II

3. Adagio

4. Rondo. Allegro molto

Erläuterungen

Im Frühjahr 1785 bastelte der 29-jährige Mozart atemlos an seiner Karriere als Pianist und Konzertunternehmer in Wien. Nur zwei Stagioni pro Jahr boten ihm dazu nach den ehernen Gesetzen des Wiener Konzertlebens ausreichende Gelegenheit: der Advent und die Fastenzeit. In beiden Perioden musste er sich beeilen, möglichst viele „Subskriptionskonzerte“ zu veranstalten, also Sinfoniekonzerte auf eigene Rechnung, deren Einnahmen aus den vorbestellten Karten er für sich verbuchen durfte – nach Abzug der Kosten fürs Orchester und die Saalmiete eine durchaus lukrative Angelegenheit. Denn den teuersten Solisten dieser „Akademien“ bekam er immerhin kostenlos: sich selbst. Und auch seinen eigenen Flügel brachte Mozart mit. Da aber sein Instrument und er selbst Zugpferde auch für die Konzerte befreundeter Virtuosen und des Wiener Adels waren, füllte sich sein Terminkalender in der Fastenzeit 1785 wieder einmal bis zum Bersten.

Staunend, aber auch bald fatisiert durfte sein Vater Leopold die Betriebsamkeit des Sohns in jenen Wochen miterleben. Am 12. Februar schrieb er der Tochter Nannerl nach St. Gilgen: „Wenn nur einmal die Akademien vorbey sind: es ist ohnmöglich, die Schererey und Unruhe alles zu beschreiben: deines Bruders Fortepiano Flügel ist wenigst 12 mal, seitdem hier bin, aus dem Hause ins Theater oder in ein anderes Haus getragen worden, … alle Freitage auf die Mehlgrube, und auch zum Grafen Cziczi und Fürst Kaunitz.“

Nur zwei Tage zuvor hatte Mozart sein C-Dur-Klavierkonzert, KV 467, im alten Burgtheater, der damaligen Wiener Hofoper, aus der Taufe gehoben. Fertig geworden war es, wie sein Werkverzeichnis beweist, weniger als 24 Stunden vorher. Angesichts des Zeitdrucks jener Monate erscheint dieses hastige Produzieren in letzter Minute nur zu verständlich. Dem Erfolg der neuen Werke tat es im übrigen keinen Abbruch. Eine einzige Verständigungsprobe reichte dem Komponisten am Klavier und den von ihm selbst ausgesuchten Orchestermusikern in der Regel aus, um selbst ein so prachtvolles, an ungewohnten Klängen und harmonischen Schattierungen reiches Werk wie KV 467 vollendet aus der Taufe zu heben. Dies musste selbst der hyperkritische Vater zugeben: Er schwelgte geradezu in den Klängen der vom Sohn gespielten Klavierkonzerte. „Dein Bruder spielte ein herrliches Concert“, schrieb er Mitte Februar der Tochter. „Ich war hinten in den Logen und hatte das Vergnügen, alle Abwechslungen der Instrumente so vortrefflich zu hören, dass mir vor Vergnügen die Thränen in den Augen standen.“

Auch das berühmte Konzert Nr. 21 in C lebt ganz von den „Abwechslungen der Instrumente“, sprich: von Mozarts damals völlig neuartigem Spiel mit den Holzbläsern, mit den martialischen Klängen der Blechbläser und einem reich abschattierten Streicherklang. All dies war in den Wiener Klavierkonzerten bis dahin unüblich gewesen. Entsprechend neuartig wirkten damals die uns heute so wohl vertrauten Klänge dieses Konzerts. Das erste Allegro von KV 467 wird von einem Marschmotiv im Unisono eröffnet, dessen fast aufmüpfige Geste die Geigen mit einer empfindsamen Kantilene beantworten. Wie so oft bei Mozart ist damit schon im Hauptthema selbst der entscheidende Themengegensatz angelegt. Der ganze lange Satz ist der Ausarbeitung dieses Kontrasts gewidmet: zwischen dem Marschmotiv auf der einen Seite , das in immer neuen Verwandlungen auftritt, und den empfindsamen Episoden der Streicher und Holzbläser auf der anderen Seite. In beide Ausdrucksebenen wird das Klavier auf höchst raffinierte Weise eingebunden – ein Spiel mit unendlich vielen Zwischentönen, teils ironischer, teils melancholischer Art, das dennoch breiten Raum lässt für virtuose Passagen des Solisten.

Den berühmten langsamen Satz dieses Konzerts zu schildern, ist müßig: Wie sich hier Holzbläser und Klavier über dem Klanggrund der sordinierten Streicher die wundervollsten Vorhaltsharmonien zuspielen, ist selbst unter Mozarts langsamen Sätzen einmalig. Dabei wirkt der Gesang der rechten Hand des Klaviers wie die träumerische Cavatina einer Primadonna in der Nachtszene einer Opera seria.

Ganz buffonesk kommt das Finale daher, tänzerisch wie immer in Mozarts letzten Sätzen. Contretanz und Marsch gehen hier eine überraschende Verbindung ein, was Stoff für ein langes Sonatenrondo bietet.