Oboensonate, op. 166 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Camille Saint-Saens

Oboensonate, op. 166

Sonate für Oboe und Klavier, op. 166

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1635

Satzbezeichnungen

1. Andantino

2. Allegretto

3. Molto Allegro

Erläuterungen

Camille Saint-Saëns, der elegante Grandseigneur des Klaviers, der weltberühmte Repräsentant der französischen Symphonik und der Grande Opéra, gehörte zu jenen Pariser Komponisten, die der stetigen Perfektionierung des Bläserklangs in Frankreich Vorschub leisteten. Für die Professoren der Bläserklassen am Pariser Conservatoire, die zugleich seine Freunde und Kammermusikpartner waren, schrieb er so manches Virtuosenstück. Als alter Meister wandte er sich dem Genre der Bläsersonate zu.

Noch heute wirken all diese Werke wie ein erlesener Tribut an die vornehmen Salons der französischen Hauptstadt. Jenseits des Ärmelkanals und mitunter auch in Deutschland neigte man dazu, dieses dezidiert Französische zu belächeln. Mit gewohnt spitzer Feder nahm etwa der englische Dichter und Musikkritiker George Bernard Shaw das Nationale in der Musik von Saint-Saëns aufs Korn. Für ihn war der große Franzose „ein Meister der französischen Musik – wohlgemerkt nicht: ein französischer Meister der Musik.“ Gehässig fügte Shaw hinzu: „Wenn man seiner Musik wegnimmt, was er von Meyerbeer, Gounod und Bach entlehnt hat – oder besser: von jener ornamentalen Poesie Bachs, wie sie sich im a-Moll-Präludium für Orgel beispielhaft zeigt, – dann wird man nichts finden außer grazilen Niedlichkeiten: Barkarolen, Serenaden, Ballette und dergleichen, allerdings mit all jenen manipulierenden Crescendi, aufputschenden Modulationen und in Beckenschlägen gipfelnden Steigerungen der Instrumentierung ausgestattet, die dann zur Sinfonischen Dichtung passen, wenn Phaeton von seinem Wagen gestürzt oder ein ähnlich erhabenes Sujet behandelt werden muss.“ Solche Polemik ist letztlich dafür verantwortlich, dass viele Kammermusikwerke von Saint-Saëns noch heute unterschätzt werden, in England wie in Deutschland.

1921, im stolzen Alter von 85 Jahren, begann der greise Meister mit einer Serie von Holzbläsersonaten. „Ich verwende meine letzte Kraft darauf, das Repertoire dieser sonst so vernachlässigten Instrumente zu erweitern“, schrieb er damals einem Freund. Von den geplanten sechs Sonaten konnte er allerdings nur noch drei vollenden: die Sonaten für Oboe, Klarinette und Fagott mit Klavier (op. 166-168). Die dreisätzige Oboensonate bezaubert schon beim ersten Hören durch ihre durchweg gesangliche Solostimme und ihren pastoral-idyllischen Charakter. Der erste Satz erinnert an barocke Formen, während der zweite mit freien Fiorituren des Blasinstruments beginnt und dann zu einer Pastorale überleitet. Das Finale ist spielerisch bewegt.