Streichquartett Nr. 4 D-Dur, op. 83 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Dimitri Schostakowitsch

Streichquartett Nr. 4 D-Dur, op. 83

Quartett Nr. 4 D-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello, op. 83

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1690

Satzbezeichnungen

1. Allegretto

2. Andantino

3. Allegretto

4. Allegretto

Erläuterungen

Im Gegensatz zu den beiden spätromantischen Quartetten unseres Programms steht das 4. Schostakowitsch-Quartett in unmittelbarem Zusammenhang mit den politischen Verhältnissen, unter denen es komponiert wurde. 1948 geriet Schostakowitsch zum zweiten Mal nach 1936 in die Schusslinie der Sowjetideologie. In einem “historischen Beschluß” hatte das Zentralkomitee der KPdSU ihn und mehrere Kollegen der “formalistischen Entartungen und antidemokratischer Tendenzen” bezichtigt. Schostakowitsch verlor daraufhin seine Professur am Moskauer Konservatorium und war zur Milderung seines Kompositionsstils gezwungen.

Alle Werke, die ihm hätten gefährlich werden können, hielt er bis nach dem Tod Stalins 1953 zurück. Dazu gehörten besonders solche, die auf jüdischen Themen basierten und dem fanatischen Anti-Semitismus des alten Stalin widersprachen: der Liederzyklus Aus jüdischer Volkspoesie von 1948, das 1947 begonnene 1. Violinkonzert und das 4. Streichquartett von 1949. Alle diese Werke wurden erst ab 1953 der Öffentlichkeit vorgestellt, wobei das 4. Quartett bereits 1950 in einer Privataufführung am Geburtstag des Komponisten vom Beethoven-Quartett gespielt worden war.
Sein Aufbau folgt dem klassischen viersätzigen Modell mit einem gemäßigt schnellen Kopfsatz, einem langsamen Satz, Scherzo und Finale. Das Vorherrschen mittlerer Tempi (dreimal Allegretto) deutet auf einen lyrischen Grundzug hin.

Der Kopfsatz beruht auf einer stilisierten Volksmelodie, die erst in der zweiten Hälfte kurz anklingt und zuvor in arabesken Linien lediglich angedeutet wird. Der Charakter eines “Präludiums” (Alfred Beaujean) wird vor allem durch den Orgelpunkt D suggeriert, der beinahe die Hälfte des Satzes durchzieht.
Das Andantino ist eine elegische Romanze in f-Moll, die sich allmählich expressiv verdichtet und in der Mitte klanglich aufhellt. Das c-Moll-Scherzo hat den gespenstisch-grotesken Charakter eines Perpetuum mobile im con sordino-Klang.
Das Finale verarbeitet jüdische Themen in der Form eines Rondo, in dem sich tiefe Trauer und groteske Klangspiele die Waage halten. Es kehrt gegen Ende zum Romanzenthema des zweiten Satzes zurück.