Oktett F-Dur, D 803 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Franz Schubert

Oktett F-Dur, D 803

Oktett für Klarinette, Horn, Fagott und Streicher, D 803

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1719

Satzbezeichnungen

1. Adagio – Allegro

2. Adagio

3. Allegro vivace – Trio

4. Thema. Andante (mit 7 Variationen)

5. Menuetto. Allegretto – Trio

6. Andante molto – Allegro

Erläuterungen

Schon beim Komponieren seines Oktetts, D 803, wusste Schubert, dass das Werk die Grenzen der Kammermusik sprengen würde: „An Liedern habe ich wenig Neues gemacht“, ließ er Ende März 1824 seinen in Rom weilenden Freund Leopold Kupelwieser wissen, „dagegen versuchte ich mich in mehreren Instrumental-Sachen, denn ich componirte 2 Quartetten für Violinen, Viola und Violoncelle u. ein Octett, u. will noch ein Quartetto schreiben, überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen.“ Das Oktett war demnach eine Art sinfonischer Studie, was man an vielen Zügen hören kann.

Den Auftrag zur Komposition hatte Schubert angeblich von Ferdinand Graf Troyer, dem Obersthofmeister des Erzherzogs Rudolf, erhalten, der als fähiger Klarinettist mit seinen Musikern gerne Beethovens Septett spielte und ein Schwesterwerk dazu bestellt haben soll. Schubert erweiterte die Septett-Besetzung Beethovens um eine 2. Violine und erreichte so größere Klangfülle und einen noch stärker sinfonischen Charakter. Der konzertante Zug im Part der ersten Geige blieb jedoch erhalten. An dem Auftrag von prominenter Stelle hat der junge Komponist besonders intensiv gearbeitet. Sein Malerfreund Moritz von Schwind war ganz konsterniert angesichts des so unwienerisch unhöflichen Betragens seines arbeitswütigen Freundes: „Schubert ist unmenschlich fleißig. Ein neues Quartett wird Sonntags bei Zupanzik aufgeführt, der ganz begeistert ist und besonders fleißig einstudiert haben soll. Jetzt schreibt er schon lang an einem Oktett mit dem größten Eifer. Wenn man unter Tags zu ihm kommt, sagt er grüß dich Gott, wie geht’s? „gut“, und schreibt weiter, worauf man sich entfernt.“

Trotz seines Fleißes musste Schubert – nach einer ersten Privataufführung im Hause des Grafen Troyer auf dem Graben in Wien 1824 – noch drei Jahre auf die öffentliche Premiere des Werkes warten. Freilich erhob auch sein Freund Franz Lachner in seinen Erinnerungen Anspruch auf die Ehre der ersten Aufführung: „In meiner Wohnung wurde auch zum ersten Male das große Octett Op. 166 für Streich- und Blasinstrumente produziert.“ Öffentlich wurde es dann erst am Ostermontag 1827 aus der Taufe gehoben: Der große Wiener Geiger Ignaz Schuppanzigh, der sich nach Schwinds Erinnerungen schon so sehr für Schuberts a-Moll-Quartett begeistert hatte, spielte auch das Oktett in einer seiner Quartettmatineen im damaligen Gebäude des Wiener Musikvereins (in der Tuchlauben „Zum roten Igel“).

Das Oktett ist Schuberts längstes Kammermusik-Werk. Dies erklärt sich aus der Form des Wiener Divertimento, die er hier unter sinfonischen Vorzeichen noch einmal aufleben ließ. Dabei folgte er nicht nur dem Vorbild von Beethovens Septett, sondern auch dem Mozarts, der in einigen besonders anspruchsvollen Werken diese Form gleichsam klassisch nobilitiert hatte, besonders im Divertimento KV 563 für Streichtrio. Wie Mozart und Beethoven ließ auch Schubert auf das erste Allegro in Sonatenform fünf weitere Sätze folgen: ein Adagio, ein erstes Menuett bzw. in seinem Fall ein Scherzo, dann als zweiten langsamen Satz Variationen, ein zweites Menuett und ein Finale. Schubert unterstrich den sinfonischen Zug noch durch die bedeutenden langsamen Einleitungen, die er dem ersten und letzten Satz vorausschickte.

Bemerkenswert an seiner Deutung der Form ist nicht nur dieses besondere Gewicht der Ecksätze und ihrer Einleitungen, von denen die des Finales düster-romantische Töne anschlägt. Neuartig ist auch die klanglich-harmonische Bandbreite der Variationen über ein Thema aus Schuberts früher Oper „Die Freunde von Salamanca“. Dessen Divertimento-Ton wird im Laufe der insgesamt sieben ausgedehnten Variationen völlig ins Romantisch-Sehnsüchtige überhöht.
Anderes – wie das Scherzo und die kanonisch geführte Melodie des Adagio – erinnert unmittelbar an Beethoven (4. Sinfonie). Ganz Schubertisch behandelt ist aber der Klang, in dem Bläser und Streicher zu wunderbar verwobenen Klangteppichen verschmelzen.