"Skazhi, o chom v teni vetvey", op. 57,1 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Pjotr I. Tschaikowsky

"Skazhi, o chom v teni vetvey", op. 57,1

“Skazhi, o chom v teni vetvey” (“Sag, worüber im Schatten”), op. 57,1, (V. Sollogub)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 1967

Satzbezeichnungen

Erläuterungen

Peter Tschaikowsky galt den Vertretern des “mächtigen Häufleins” als Inbegriff westlicher Décadence in der russischen Musik ihrer Epoche. Mit der gleichen Vehemenz gab Tschaikowsky ihre “Komplimente” zurück. Wenn er etwa Mussorgskys Musik als eine “gemeine und niederträchtige Parodie auf die Musik” bezeichnete, so drückte sich darin nicht etwa Konkurrenzneid, sondern ein fundamentales ästhetisches Unverständnis aus.
Der feinfühlige Tschaikowsky kreiste in seinen über 100 Liedern bevorzugt um den eigenen Lebens- und Leidensweg, nicht um gesellschaftliche Realitäten. (Bei einem Teil seiner Lieder handelt es sich freilich um eher unterhaltende, leicht hingeworfene Romanzen.) Mussorgskys böses Wort von den “Nachtigallen”-Komponisten andererseits bestätigt sich an einem Lied wie Sag, wovon im Schatten der Zweige die Nachtigall singt . Sie singt natürlich von der Liebe.
Tschaikowskys eigenen Liebesbeziehungen war bekanntlich kein Erfolg beschieden, wenn er ihnen auch noch so überschwengliche Denkmale setzte (Ob es der helle Tag ist, der herrscht, ob nächtliche Stille… immer nur einen Gedanken ich fühle: an dich, immer an dich.) Seine letzte unglückliche Liebe zu seinem eigenen Neffen wurde ihm zum Verhängnis. Nachdem ein russischer Aristokrat das homosexuelleVerhältnis beim Zaren anzeigen wollte, trat ein Tribunal ehemaliger Schulkameraden Tschaikowskys zusammen, Absolventen einer renommierten juristischen Akademie. In einer fünfstündigen Sitzung verurteilten sie den Komponisten zum Selbstmord – um den drohenden Skandal zu vermeiden und die Ehre der Akademie nicht zu “beflecken”. Wenige Tage darauf starb er – wahrscheinlich nicht, wie gerne behauptet wird, an choleraverseuchtem Wasser, sondern an einer Dosis Gift, die er sich selbst verabreicht hatte.