"Quintett in Form von Chorós" | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Heitor Villa-Lobos

"Quintett in Form von Chorós"

“Quintett in Form von Chorós” für Flöte, Oboe, Klarinette, Englisch Horn oder Horn und Fagott

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 2013

Satzbezeichnungen

Lent – Animé – Très Lent – Très vite

Erläuterungen

VILLA-LOBOS, HEITOR, geb. 1887 in Rio de Janeiro, gest. 1959 ebd., brasilianischer Komponist. Sein Vater, ein Bibliothekar, brachte ihm auf einer Viola das Cellospielen bei, die Gitarre lernte er während zahlloser gemeinsamer Stunden mit den Straßenmusikanten von Rio, deren Gesellschaft er seiner Bestimmung zum Mediziner vorzog. Zwischen 18 und 25 unstetes Wanderleben in den entlegensten Teilen Brasiliens, wo er Volksmelodien sammelte, aber auch – nach eigenen Angaben – Kannibalen in die Hände fiel, die ihn nur wegen seiner Musik verschonten. Nach 1912 vergeblicher Versuch, in Rio Musiktheorie zu studieren, stattdessen autodidaktische Studien der großen Meister. Verdiente sich sein Geld als Cellist in Cafés und Kinos.
Seit dem ersten Konzert mit seinen Werken 1915 bis zum Besuch des belgischen Königs 1922 (Sinfonie über den I. Weltkrieg) Aufstieg zu einem der gefeiertsten und umstrittensten Künstler Brasiliens. 1923-30 Aufenthalt in Paris. Dort waren seine Werke die Sensation in Avantgarde-Kreisen, für die er aber auch Essen “à la brésilienne” arrangierte. Nach 1930 Aushängeschild des nationalistischen Regimes in Brasilien, Zähmung zu einem Künstler mit administrativen und vor allem pädagogischen Aufgaben. Gründete 1942 das Konservatorium und 1945 die Musikakademie in Rio. Nach dem II. Weltkrieg ständige Reisen nach Paris und in die USA. Zu seinem 70. Geburtstag Feiern in Rio, Sao Paolo, Paris und New York. Seine Beerdigung war eine Art Staatsbegräbnis.
Je nach Art der Zählung 800 bis 2000 Werke, u. a. “Bachianas Brasileiras” Nr. 1-7, “Choros” Nr. 1-14, 4 Opern, 6 Ballette, 11 Symphonien, 17 Streichquartette. “Die große Stärke seiner Musik ist ihre Spontaneität… Diese Frische kann den gelehrtesten Hörer wie den naivsten überzeugen, sie bringt ihre Wirkung durch Farbe, rhythmische Energie und die pure Schönheit ihrer Melodien hervor, aber vor allem durch ihre magischen Klangfarben, die selbst in Chor- und Kammermusik den Eindruck orchestraler Brillianz erwecken.” (L. A. Corrêa de Azevedo)

Schon HEITOR VILLA-LOBOS, unzweifelhaft der bedeutendste Komponist Brasiliens, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Amerika bei Europa musikalisch “in die Schule ging”. Denn er hielt sich, wie unzählige seiner Kollegen, in den 20er Jahren in Paris auf, wo er die Maximen des französischen Neoklassizismus kennenlernte. Seine von der brasilianischen Folklore geprägten Werke waren andererseits die Sensation in französischen Avantgarde-Kreisen, für die er wiederum Diners “à la brésilienne” arrangierte.
Villa-Lobos’ Werdegang läßt sich in eine erste, eher abenteuerliche und eine zweite, von politischen Aufgaben geprägte Phase unterteilen; Paris lag genau in der Mitte. Heitors Vater, ein Bibliothekar, brachte ihm auf einer Viola das Cellospielen bei, die Gitarre lernte er während zahlloser gemeinsamer Stunden mit den Straßenmusikanten von Rio, deren Gesellschaft er seiner Bestimmung zum Mediziner vorzog, und deren Gesänge, die sog. “Choros”, ihn nachhaltig beeindruckten. Zwischen 18 und 25 führte er ein unstetes Wanderleben in den entlegensten Teilen Brasiliens, wo er Volksmelodien sammelte, aber auch – nach eigenen Angaben – Kannibalen in die Hände fiel, die ihn nur wegen der Schönheit seiner Musik verschonten.
Bis zum Besuch des belgischen Königs 1922 (Sinfonie über den I. Weltkrieg) stieg er zu einem der gefeiertsten und umstrittensten Künstler Brasiliens auf und wurde nach 1930 zum Aushängeschild des nationalistischen Regimes. Er gründete 1942 das Konservatorium und 1945 die Musikakademie in Rio und übernahm wichtige administrative Funktionen. Nach dem II. Weltkrieg war er ein häufiger Gast in Paris und den USA, wo man seinen 70. Geburtstag ebenso feierte wie in Rio.
Villa-Lobos war einer der fruchtbarsten Komponisten dieses Jahrhunderts: je nach Art der Zählung kommt man auf 800 bis 2000 Werke. Die bekanntesten sind die Zyklen Bachianas Brasileiras Nr. 1-14, ein Ausdruck seiner Bach-Verehrung, und Choros Nr. 1-7.
Das Bläserquintett in Form von Chorós entstand 1928 in Paris. Schon sein Titel zeigt, daß es eng mit dem Zyklus der Chorós zusammenhängt, die der Straßenmusik Rios in den unterschiedlichsten Besetzungen huldigen. Das Quintett knüpft zwar in Titel und Stil an diese Werkreihe an, ist aber daneben vor allem der französischen Musik der zwanziger Jahre verpflichtet. Villa-Lobos griff darin auf Bitonalität zurück, das Spiel in zwei verschiedenen Tonarten gleichzeitig, mit dem der französische Komponist Darius Milhaud zu jener Zeit experimentierte. Gleich zu Beginn stehen die drei Oberstimmen in h-Moll, Klarinette und Fagott dagegen in b-Moll. Auf die krassen Dissonanzen, die sich daraus ergeben, ist zum Teil die sperrige Klangwirkung des Stückes zurückzuführen. Obwohl sein Aufbau nach Art der Chorós frei wirkt – eine Melodie löst die andere scheinbar zwanglos ab -, kann man drei Sätze unterscheiden. Nach einer rhapsodischen langsamen Einleitung stimmt die Klarinette das volksliedhafte Thema des ersten Satzes an. Es wird vom Fagott aufgegriffen, das später einen zweiten, synkopischen Gedanken einführt. Ein expressives Flötensolo leitet zum langsamen Mittelsatz über. Seine melancholische Melodie liegt in der Oboe, später in der Klarinette. Ein Fagottsolo eröffnet das rhythmisch geprägte Finale, in dem beide Themen aus dem ersten Satz wiederkehren.

HEITOR VILLA-LOBOS, unzweifelhaft der bedeutendste Komponist Brasiliens, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Amerika bei Europa musikalisch “in die Schule ging”. Denn er hielt sich in den 20er Jahren in Paris auf, wo er die Maximen des französischen Neoklassizismus kennenlernte. Seine von der brasilianischen Folklore geprägten Werke waren andererseits die Sensation in französischen Avantgarde-Kreisen, für die er wiederum Diners “à la brésilienne” arrangierte.Villa-Lobos’ Werdegang läßt sich in eine erste, eher abenteuerliche und eine zweite, von politischen Aufgaben geprägte Phase unterteilen; Paris lag genau in der Mitte. Nach einer Jugend auf den Straßen von Rio, die er seiner väterlichen Bestimmung zum Mediziner vorzog, führte er zwischen 18 und 25 ein unstetes Wanderleben in den entlegensten Teilen Brasiliens, wo er Volksmelodien sammelte, aber auch – nach eigenen Angaben – Kannibalen in die Hände fiel, die ihn nur wegen der Schönheit seiner Musik verschonten. In den 30er Jahren wurde er dagegen zum Aushängeschild des nationalistischen Regimes in Brasilien, gründete Konservatorium und Musikakademie in Rio und übernahm wichtige administrative Funktionen. Villa-Lobos war einer der fruchtbarsten Komponisten dieses Jahrhunderts, der je nach Art der Zählung 800 bis 2000 Werke schrieb. Die bekanntesten sind die Zyklen Bachianas Brasileiras Nr. 1-14 und Choros Nr. 1-7.
An letztere knüpft das Bläserquintett in Form von Chorós an, das Villa-Lobos 1928 in Paris komponierte. Wie die eigentlichen Choros huldigt es der gleichnamigen Straßenmusik von Rio, indem es sozusagen wahllos eine Folkloremelodie auf die andere folgen läßt. Tatsächlich aber kann man drei Sätze unterscheiden. Nach einer rhapsodischen langsamen Einleitung stimmt die Klarinette das volksliedhafte Thema des ersten Satzes an. Es wird vom Fagott aufgegriffen, das später einen zweiten, synkopischen Gedanken einführt. Ein expressives Flötensolo leitet zum langsamen Mittelsatz über. Sein melancholisches Thema liegt in der Oboe, später in der Klarinette. Ein Fagottsolo eröffnet das rhythmisch geprägte Finale, in dem beide Themen aus dem ersten Satz wiederkehren. Außer dem unverkennbaren Charakter “à la bresilienne” – musikalischs Pendant zu Villa-Lobos’ Pariser Diners – ist das Quintett auch eine Reverenz vor Frankreich, indem es auf die Bitonalität französischer Komponisten wie Milhaudzurückgreift.

Das Bläserquintett “in Form von Choros” schrieb Heitor Villa-Lobos 1928 in Paris. Es knüpft an den großen Zyklus der “Choros” an, fünfzehn Werke, in denen der Komponist der Straßenmusik seiner Heimat huldigte. Fast alle “Choros” entstanden in Paris, doch keine steht der französischen Musik der zwanziger Jahre so nahe wie das Bläserquintett. (Seine Hornstimme war übrigens, wie bei Boccherini, ursprünglich für Englischhorn bestimmt.) Villa-Lobos griff darin auf Bitonalität zurück, das Spiel in zwei verschiedenen Tonarten gleichzeitig, mit dem Darius Milhaud zu jener Zeit experimentierte. Gleich zu Beginn stehen die drei Oberstimmen in h-Moll, Klarinette und Fagott dagegen in b-Moll. Auf die krassen Dissonanzen, die sich daraus ergeben, ist zum Teil die sperrige Klangwirkung des Stückes zurückzuführen. Obwohl sein Aufbau nach Art der “Choros” frei wirkt, kann man drei Sätze unterscheiden. Nach einer rhapsodischen langsamen Einleitung stimmt die Klarinette das volksliedhafte Thema des ersten Satzes an. Es wird vom Fagott aufgegriffen, das später einen zweiten, synkopischen Gedanken einführt. Ein expressives Flötensolo leitet zum langsamen Mittelsatz über. Seine südamerikanisch eingefärbte, melancholische Melodie liegt in der Oboe, später in der Klarinette. Ein Fagottsolo eröffnet das rhytmisch geprägte Finale, in dem beide Themen aus dem ersten Satz wiederkehren.

04./05./06.02.1993:
Der brasilianische Komponist HEITOR VILLA-LOBOS wurde – wie seine Kollegen Carlos Chavéz in Mexiko und Alberto Ginastera in Argentinien – zum Vater der Nationalmusik seines Landes. Seine Vita wird von zwei Polen bestimmt, die das Erwachen nationaler Musikbewegungen in Südamerika insgesamt kennzeichnen: vom Studium der einheimischen Folklore einerseits und vom Anschluß an die europäische Musik der 20er Jahre andererseits.
Der in Rio Geborene lernte auf einer Viola Cellospielen, später Gitarre während zahlloser gemeinsamer Stunden mit den Straßenmusikanten Rios, deren Gesellschaft er seiner Bestimmung zum Mediziner vorzog. Zwischen 18 und 25 führte er ein unstetes Wanderleben in den entlegensten Teilen Brasiliens, wo er Volksmelodien sammelte. Nach dem kompositorischen Durchbruch 1915 stieg er bis 1922 (Sinfonie über den 1. Weltkrieg) zu einem der gefeiertsten und umstrittensten Künstler Brasiliens auf. 1923-30 lebte Villa-Lobos in Paris, wo seine Musik die Sensation in Avantgarde-Kreisen war; nach der Rückkehr in die Heimat wandelte er sich unter dem Einfluß des nationalistischen Regimes zu einem Künstler mit administrativen Aufgaben (1942 Gründung des Konservatoriums, 1945 der Musikakademie in Rio). Nach dem 2. Weltkrieg führten ihn wieder ständige Reisen nach Paris und in die USA.
Villa-Lobos war einer der fruchtbarsten Komponisten unseres Jahrhunderts: je nach Art der Zählung schrieb er 800 bis 2000 Werke. Die bekanntesten von ihnen sind die Werkzyklen Bachianas Brasileiras Nr. 1-7, eine Huldigung an den von ihm verehrten Johann Sebastian Bach, sowie Choros Nr. 1-14, Stücke, die nach jener Straßenmusik benannt sind, die Villa-Lobos in seiner Jugend kennenlernte.
An letztere knüpft das Bläserquintett in Form von Choros an, das Villa-Lobos 1928 in Paris komponierte. Wie die eigentlichen Choros huldigt es dem improvisatorischen Stil von Straßenmusik, indem es scheinbar wahllos eine Folkloremelodie auf die andere folgen läßt. Tatsächlich aber kann man drei Sätze unterscheiden. Nach einer rhapsodischen langsamen Einleitung stimmt die Klarinette das volksliedhafte Thema des ersten Satzes an. Es wird vom Fagott aufgegriffen, das später einen zweiten, synkopischen Gedanken einführt. Ein expressives Flötensolo leitet zum langsamen Mittelsatz über. Sein melancholisches Thema liegt in der Oboe, später in der Klarinette. Ein Fagottsolo eröffnet das rhythmisch geprägte Finale, in dem beide Themen aus dem ersten Satz wiederkehren. Außer dem unverkennbaren Charakter “à la bresilienne” ist das Quintett auch eine Reverenz vor Frankreich, indem es auf die Bitonalität französischer Komponisten wie Milhaud zurückgreift.