Trio d-Moll, op. 3 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Alexander von Zemlinsky

Trio d-Moll, op. 3

Trio d-Moll für Klarinette und Violoncello und Klavier, op. 3

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 2151

Satzbezeichnungen

1. Allegro ma non troppo

2. Andante

3. Allegro

Erläuterungen

2004
Alexander von Zemlinsky gehörte neben Mahler und Strauss zu den geistigen Vätern der Wiener Schule. Sein Einfluss ist exemplarisch am Leben Schönbergs abzulesen. Zemlinsky erteilte dem nur drei Jahre Jüngeren anfänglich Kompositionsunterricht, wurde sein Mitstreiter für die Neue Musik in Wien und 1901 sein Schwager.
Zemlinskys d-Moll-Trio, op. 3, bringt noch ein weiteres Vorbild ins Spiel: Brahms. Das Trio entstand ein Jahr vor dem Tode von Brahms, 1896, und wie so oft bei Komponisten der jüngeren Generation machte der Wiener Altmeister seinen Einfluss für das Trio geltend. Das nimmt nicht Wunder, denn es ist ein Zeugnis seines alles beherrschenden Einflusses in der Kammermusik. Das Trio ist schon im allgemeinen durch und durch „brahminisch“, was die Harmonik, die Melodiebildung und den Klang anbelangt. Im besonderen war es das Klarinettentrio op. 114 von Brahms, das sich Zemlinsky zum Vorbild nahm. Von dort stammen die Besetzung und viele formale und motivische Details.
So beginnt der erste Satz bei Zemlinsky wie bei Brahms mit dem Hauptthema, von Klarinette und Cello piano vorgetragen. Das Klavier antwortet mit einem scharf rhythmisierten Kontrastmotiv, worauf das Hauptthema in kraftvollem Forte erklingt. In der Durchführung werden beide Themen dramatisch gegeneinander ausgespielt. Die ungeheuren Steigerungen, die daraus entstehen, sind typisch für den jungen Zemlinsky. In der Durchführung erscheint nach einem solchen Höhepunkt das gesangliche Seitenthema wieder. Eine zweite, noch gewaltigere Klimax führt am Ende das Hauptthema zur symphonischen Apotheose. Weniger spürbar ist der Einfluss von Brahms im langsamen Satz. Mit seiner vagierenden Harmonik und seinem chromatischen Melos läßt er eher an den Lehrer Schönbergs denken. Zwischen den Rahmenteilen in D-Dur steht ein rhapsodischer Mittelteil in d-Moll Poco mosso con fantasia. Dem „Zeitgeist“ des späten 19. Jahrhunderts entsprechend, greift das Finale auf den Anfang zurück: Sein Rondothema ist eine kapriziöse Umspielung des Hauptthemas aus dem ersten Satz. Die Beziehung wird gegen Ende deutlich, wenn sich letzteres allmählich aus seiner Variante herausschält und schließlich wieder in der originalen Gestalt auftritt.