Violinsonate A-Dur, op. 30,1 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Ludwig van Beethoven

Violinsonate A-Dur, op. 30,1

Sonate A-Dur für Klavier und Violine, op. 30,1

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 228

Satzbezeichnungen

1. Allegro

2. Adagio

3. Allegretto con Variazioni

Erläuterungen

Die drei Violinsonaten Opus 30 hat Beethoven, wie Skizzen belegen, in der ersten Jahreshälfte 1802 geschrieben – im selben Jahr, in dem er seiner Verzweiflung über die beginnende Taubheit im so genannten „Heiligenstädter Testament“ erschütternden Ausdruck verlieh. Es war zugleich das Jahr, in dem er nach eigenem Bekunden einen „ganz neuen Weg“ in der Instrumentalmusik einschlug – der Beginn seines „heroischen Stils“. Unter diesen Begriff wird seit dem 19. Jahrhundert die Musik des „mittleren Beethoven“subsumiert, vor allem deshalb, weil sich jener neue Stil im Jahr 1803 in revolutionären Werken wie der Eroica oder der Kreutzersonate Bahn brach. Die Violinsonaten von 1802 sind dagegen Werke des Übergangs, teils noch klassisch verspielt und lyrisch heiter, teils schon dem heroischen Idiom zuneigend – ganz ähnlich wie die drei Klaviersonaten Opus 31, die in der gleichen Zeit entstanden sind.

Mit der Ausprägung seines neuen, von starken inneren Spannungen gleichsam zerfurchten Stils reagierte Beethoven nicht nur auf die private Katastrophe seiner Taubheit, sondern auch auf die sich verschärfenden politischen Spannungen in Europa am Vorabend der napoleonischen Kriege. Äußerlich herrschte Frieden, insgeheim aber rüsteten die alten Mächte gegen den Emporkömmling Bonaparte, der Frankreich hinter sich geeint hatte und kurz davor stand, sich zum Kaiser der Franzosen zu erheben. Mit seinem Opus 30 stellte sich Beethoven, der frühere Sympathisant Bonapartes, demonstrativ auf die Seite der alten Mächte, indem er die drei Violinsonaten bei ihrem Erscheinen im Frühjahr 1803 dem jungen Zaren Alexej I. widmete. In der Beethoven-Forschung wird diese Zueignung allgemein als politische Stellungsnahme verstanden.