"Lamento d'Arianna" aus L'Arianna | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Claudio Monteverdi

"Lamento d'Arianna" aus L'Arianna

„Lamento d’Arianna“, aus L’Arianna (Mantua 1608)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 2307

Satzbezeichnungen

Erläuterungen

Claudio Monteverdi ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Programms. Der aus Cremona stammende Geiger stand bis 1610 am Musenhof der Gonzaga in Mantua in Diensten, bevor er als Kapellmeister an die Markuskirche nach Venedig berufen wurde. Dort hat er eine ganze Reihe der Komponisten unseres Programms kennengelernt, die zum Teil gegen seinen fanatischen Kunsteifer einen schweren Stand hatten. Monteverdi war nicht nur der größe Meister seiner Zeit, sondern auch ihr Ideologe, weil er das Prinzip des neuen Stils (seconda pratica) gegen seine Gegner verteidigte. Die überwältigende Kraft seiner Musik erklärt sich unter anderem dadurch, daß er sich für Kompositionen ungewöhnlich viel Zeit ließ. Für ein einziges Madrigal benötigte er einen Monat (Händel schrieb in der gleichen Zeitspanne den gesamten Messias!), die eilige Entstehung der Oper Arianna brachte ihn an den Rand des völligen Zusammenbruchs. Das genau abwägende Komponieren führte zu einer Verschmelzung von Wort und Ton, wie man sie in dieser Vollendung bei keinem Meister seiner Zeit findet.
Das Lamento d’Arianna, der einzige Überrest der erwähnten Mantuaner Oper von 1608, verdankt seinen Modellcharakter seinem zwingenden Aufbau und dem bis ins letzte ausgeloteten monodischen Prinzip. Es hat fünf deutlich getrennte Abschnitte. Im ersten ertönt Ariadnes verzweifelter Ruf Lasciate mi morire (Laßt mich sterben), gefolgt von dem zarten O Teseo, o Teseo mio, mit dem der zweite Abschnitt beginnt. Immer wieder beschwört Ariadne den Namen des Geliebten in der Hoffnung, Theseus möge sich umwenden, ihr Leid sehen und sein Schiff zu ihr zurücklenken, doch vergeblich. Im dritten und vierten Abschnitt klagt sie ihn an: dove è la fede, che tanto mi giuravi? (Wo ist die Treue, die du mir geschworen hast?) Die Anklage steigert sich bis zur besinnungslosen Raserei, um immer wieder am schwachen O Teseo zu zerbrechen. Ariadne erkennt, daß zwar ihre Zunge gegen den Geliebten spricht, nicht aber ihr Herz (parlò la lingua sì, ma non già’l core). Mit dem Ruf „Seht, so endet, wer zu sehr liebt und zu sehr vertraut“ wendet sie sich an die längst in Tränen aufgelösten Zuschauer.