Klavierquartett c-Moll, op. 13 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Richard Strauss

Klavierquartett c-Moll, op. 13

Quartett c-Moll für Klavier, Violine, Viola und Violoncello, op. 13

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 2470

Satzbezeichnungen

1. Allegro

2. Scherzo. Presto – Molto meno mosso

3. Andante

4. Finale. Vivace

Erläuterungen

RICHARD STRAUSS hat als junger Komponist breite Unterstützung durch die öffentliche Hand erfahren, die er durch seine rasante kompositorische Entwicklung vollauf rechtfertigte. Selbst Johannes Brahms sah in dem jungen Münchner Komponisten eine bedeutende Begabung, während er im allgemeinen der Vergabe von Stipendien an den Nachwuchs skeptisch gegenüberstand: „Früher hatten wir Genies und keine Stipendien, heute haben wir Stipendien. Aber wo sind die Genies?“

Das Klavierquartett c-Moll des 19jährigen Strauss war ein Geniestreich, der sofort als solcher erkannt wurde. Es erhielt 1885 den 1. Preis im Kompositionswettbewerb des Berliner Tonkünstlervereins und wurde Ende des Jahres in Meiningen unter den Auspizien von Brahms und Bülow uraufgeführt. Komponiert 1883/84, zwischen der 1. Sinfonie und der Burleske für Klavier und Orchester, gilt es als Höhepunkt der Auseinandersetzung mit Brahms und den Formen der klassisch-romantischen Instrumentalmusik. Strauss hat die Anlage eines Klavierquartetts nach Brahms‘ Vorbild freilich bereits in seiner eigenen charakteristischen Manier umgedeutet.
So beruht der riesige Kopfsatz nicht auf prägnanten Motiven, sondern auf ausladenden Themengruppen, von denen die erste nach Ludwig Finscher „reichlich brahmsisch“ klingt, während die zweite „eine der ersten großen Strauss-Kantilenen, eine riesige Melodie aus pathos-gesättigten Gesten“ ist. Die Durchführung zeigt schon den späteren Meister in seiner „unersättlichen“ Manier der Motivverarbeitung.

Das Scherzo in Es-Dur wird von einem Sprungmotiv beherrscht, das in immer neuen Varianten auftritt. Das Trio in H-Dur ist ein kurzer, lyrischer Gesang, in dem die Instrumente einander ablösen. Das Andante in f-Moll beginnt nach einer Art „Vorhang“ des Tutti mit einem langgezogenen, elegischen Klavierthema, das die Streicher zaghaft aufgreifen. Strauss‘ Absicht, ein Intermezzo nach dem Vorbild von Mendelssohn zu schreiben, wird freilich im Verlauf des Satzes „durch den sehr dichten Satz gänzlich überlagert“. Im Finale, einem „schroffen, fast nur noch aus motivischen Gesten bestehenden“ Stück, ist der junge Komponist „ein gutes Stück weit auf dem Weg zur Violinsonate“ (Finscher) vorangekommen.

1999:
„Erobernd“ und „jugendlich brausend“, wie Richard Specht das Klavierquartett des 19jährigen Strauss fand, wirkt so manches Werk aus der frühen Produktion des Komponisten. Durch die traditionellen Gattungen der Kammermusik – Klaviertrio, Streichquartett, Duos für Bläser und Klavier – hatte sich Strauss Ende der 1870er Jahre den Weg zu ersten Konzertwerken im Kammergenre gebahnt; seine Cello- und Violinsonate und das Klavierquartett standen häufig auf den Programmen des Pianisten Strauss, bis er sich zu wundern anfing, daß er immer noch diese Werke aufführte, von denen er innerlich nicht mehr überzeugt war. Dies war Anfang der 1890er Jahre, als sich Strauss von der Kammermusik ab und der Orchestermusik zuwandte. Erst ganz am Ende seines Lebens ist er in seinen späten „Werkstattarbeiten“ wieder zur Kammermusik zurückgekehrt.
Im Jahr seiner Entstehung 1885 war das Klavierquartett ein Stück auf der Höhe der Zeit und die glänzende Visitenkarte eines Hoffnungsträgers der deutschen Instrumentalmusik. Selbst Johannes Brahms sah in dem jungen Münchner Komponisten eine bedeutende Begabung, der man öffentliche Förderung angedeihen lassen sollte, während er im allgemeinen der Vergabe von Stipendien an den Nachwuchs skeptisch gegenüberstand: „Früher hatten wir Genies und keine Stipendien, heute haben wir Stipendien. Aber wo sind die Genies?“ Das Klavierquartett des 19jährigen Strauss wurde als Geniestreich sofort erkannt: Es erhielt 1885 den 1. Preis im Kompositionswettbewerb des Berliner Tonkünstlervereins und wurde dank der Förderung von Brahms und Bülow schon Ende des Jahres in Weimar uraufgeführt.

Komponiert zwischen der f-Moll-Symphonie und der Burleske für Klavier und Orchester, gilt es als Höhepunkt der Auseinandersetzung mit Brahms im Schaffen des jungen Komponisten. Richard Specht nannte es „das stärkste Bekenntnis zu Brahms, das Strauss jemals abgelegt“ habe. Schon die Wahl der Besetzung weist darauf hin, denn gerade im Klavierquartett hatte Brahms mit seinen drei Werken, Opera 25, 26 und 60, Maßstäbe für die gesamte Spätromantik gesetzt und auch für sich selbst zu einem unverwechselbaren Ton in der Klavierkammermusik gefunden.

Das gattungsprägende Modell der drei Brahms-Quartette, zumal des dritten in c-Moll, das erst 1875 im Druck erschienen war, ist im Strauss-Quartett omnipräsent – und vermischt sich doch schon mit Zügen, die unverkennbar eigenes künstlerisches Profil offenbaren. So beruht der monumentale Kopfsatz nicht auf prägnanten Motiven wie bei Brahms, sondern auf ausladenden Themengruppen, von denen die erste nach Ludwig Finscher „reichlich brahmsisch“ klingt, während die zweite „eine der ersten großen Strauss-Kantilenen, eine riesige Melodie aus pathos-gesättigten Gesten“ ist. Die Durchführung zeigt schon den späteren Meister in seiner „unersättlichen“ Manier der Motivverarbeitung.

Das Scherzo in Es-Dur wird von einem „Sprungmotiv“ beherrscht, das in immer neuen Varianten begegnet. Das Trio in H-Dur ist ein kurzer, lyrischer Gesang, in dem die Instrumente einander ablösen.

Das Andante in f-Moll beginnt nach einer Art „Vorhang“ des Tutti mit einem langgezogenen, elegischen Klavierthema, das die Streicher zaghaft aufgreifen. Strauss‘ erklärte Absicht, mit diesem Satz ein Intermezzo nach dem Vorbild Mendelssohns zu schreiben, wird im weiteren Verlauf „durch den sehr dichten Satz gänzlich überlagert“ (Finscher). Im Finale, einem „schroffen, fast nur noch aus motivischen Gesten bestehenden“ Stück, ist der junge Komponist „ein gutes Stück weit auf dem Weg zur Violinsonate“ vorangekommen.