Drei kleine Sonaten, Wq 92 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Carl Philipp Emanuel Bach

Drei kleine Sonaten, Wq 92

Drei kleine Sonaten, Wq 92

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 2799

Satzbezeichnungen

1. Allegretto Es-Dur

2. Andante Es-Dur

3. Allegro B-Dur

Erläuterungen

Der einzige “Lehrer” Beethovens im eigentlichen Sinne war Christian Gottlob Neefe, der vor 250 Jahren geboren wurde und vor 200 Jahren gestorben ist. Allein schon wegen dieses Doppeljubiläums schien es geboten, ihm im Rahmen unseres Beethoven-Wochenendes wenigstens einen Programmpunkt zu widmen. Der Blick unserer Interpreten richtet sich jedoch auch über Beethovens Bonner Lehrer hinaus auf die großen Vorbilder seines Stils außerhalb von Wien.

Daß unter diesen hier Carl Philipp Emanuel Bach und Franz Xaver Sterkel zuerst genannt werden, ist Zufall – man könnte noch eine ganze Reihe anderer anführen. Wichtig ist daran die Perspektive einer Klassik nördlich von Wien – ein Stilbild, das den jungen Beethoven lange vor seiner Übersiedlung in die Donaumetropole auf den “Klassischen Stil” einschwor.
Uns interessiert, in welcher Weise dies geschah.

C. P. E. BACH Drei kleine Sonaten
Der früheste der Beethovenschen Lehrmeister war, indirekt, Carl Philipp Emanuel Bach. Der zweitälteste Sohn Johannn Sebastians übte durch seine Klavierschule Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen einen kaum zu überschätzenden Einfluß auf die folgendenen Pianisten-Generationen aus, darunter auch der junge Beethoven, der nach dieser Methode (unter anderen) lernte. Ebenso bestimmend für Beethovens stilistische Entwicklung wurde die von extremer “Empfindsamkeit” geprägte Ästhetik des Bach-Sohnes, den man nach seinen beiden Wirkungsstätten den “Berliner” oder “Hamburger Bach” nennt. Die eigenwilligen, oft bizzarren Züge seiner Klaviersonaten, seine ausgeprägte Vorliebe für melancholische Adagios und wild-drängende Allegrosätze in Moll haben bei Beethoven zwei Generationen später ihre Spuren hinterlassen.
Unser Beispiel für die Kunst Bachs stammt nicht aus diesem Zentrum seiner Ästhetik, sondern eher aus einem Randbezirk seines Schaffens. Es sind drei von insgesamt 6 “kleinen Sonaten” für Klavier mit Begleitung der Klarinette und des Fagotts (hier Cello), die er in seiner Hamburger Zeit (1767-1788) komponiert hat.
Unsere Musiker haben aus dieser Sammlung jene drei Sätze ausgewählt, die auch in den Sei piccole Sonate für Bläser vorkommen (Hamburg, ca. 1775), und zwar in einer Fassung für zwei Flöten, zwei Klarinetten, zwei Hörner und Fagott. Die Reihenfolge in diesem Bläserzyklus entspricht der hier gespielten, darf also eine gewisse Authenzität beanspruchen im Sinne eines kleinen dreisätzigen Trios. Man darf im übrigen annehmen, daß bei diesen drei Sätzen die Fassung für Bläserseptett die ursprüngliche war, denn im einleitenden Allegretto weisen schon die parallelen Terzen und Sexten auf den typischen Bläsersatz einer “Harmoniemusik” hin. Das Andante wartet mit einer jener sprechenden, von ausdrucksvollen Vorhalten durchsetzten Melodien auf, die für den “Hamburger Bach” typisch sind, während das abschließende Allegro zu seinen freundlichen tänzerischen Sätzen gehört. Vom “Sturm und Drang” des Bach-Sohnes, der so nachhaltig auf Beethoven wirkte, ist in diesen intimen Stücken nichts zu spüren.