"Moz-Art" | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Alfred Schnittke

"Moz-Art"

„Moz-Art“ für sechs Instrumente

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 2947

Satzbezeichnungen

Erläuterungen

Der deutsch-russische Komponist Alfred Schnittke war der prominenteste Vertreter einer Stilrichtung moderner Musik, die man „Polystilistik“ nennt und die als Variante der viel beschworenen „Postmoderne“ in den anderen Künsten aufzufassen ist. In Schnittkes Musik reichen sich die Jahrhunderte die Hand: Zitate von Orlando di Lasso bis Mozart, von Happy Bithday bis zu Schostakowitsch werden in einen Sog moderner Klänge hineingezogen, deren Absicht stets der unmittelbare Eindruck auf den Hörer ist – sei er nun hochexpressiv oder hintergründig-ironisch.

Schnittkes Vita ist so polyglott wie seine Werke: Er enstammte einer lettisch-jüdischen Familie, die von Frankfurt am Main an die Wolga übersiedelt war. 1934 in Engels, der damaligen Hauptstadt der Wolgadeutschen-Republik innerhalb der UdSSR, geboren, wurde er zuerst in Wien musikalisch ausgebildet. (Sein Vater war dort Redakteur der Zeitung der sowjetischen Besatzungstruppen.) 1948 begann sein formelles Musikstudium in Moskau, erst als Chorleiter und Pianist, später als Komponist. Durch Filmmusiken einerseits, Werke wie das 1. Violinkonzert oder das 1. Concerto grosso andererseits machte er sich in den 70er-Jahren einen Namen. 1977 reiste er auf Betreiben Gidon Kremers erstmals nach Österreich und Deutschland, wo er bald eine treue Anhängerschar, etwa beim Festival in Lockenhaus hatte. Erst Dozent in Wien (wo er zum Katholizismus konvertierte), dann in Berlin, schließlich an der Hamburger Musikhochschule, wurde Schnittke rasch ins deutsche Musikleben integriert. 1990 nahm er die deutsche Staatsangehörigkeit an.

Dank begeisterter Interpreten wie Gidon Kremer, aber auch dank der faszinierenden Vielseitigkeit seines Schaffens fand seine Musik viel breitere Akzeptanz als die vieler zeitgenössioscher Kollegen. Opern wie Gesualdo, die Concerto grosso-Serie und seine Symphonien, aber auch Kammermusikwerke wie das 3. Streichquartett wurden regelrecht zu Repertoire-stücken der Moderne. Die Moz-Art-Serie, eine Reihe von vier Kompositionen aus den Jahren 1976, 1977, 1980 und 1990, gehört auf die ironische Seite von Schnittkes Schaffen – heitere Enttarnungen des Mozartkultes und eine liebevolle Auseinandersetzung mit dem Komponisten.