Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz: "Le tombeau de couperin"

Maurice Ravel

"Le tombeau de couperin"

“Le tombeau de couperin” (Arrangement von Mason Jones)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 3140

Satzbezeichnungen

1. Prélude

2. Folane

3. Menuet

4. Rigaudon

Erläuterungen

2003:
MAURICE RAVEL
Le tombeau de Couperin

Mit Tombeau bezeichneten die französischen Komponisten des Barock Trauerstücke für verstorbene Kollegen. Im Jahre 1914 schrieb Maurice Ravel einen solchen Tombeau zur Erinnerung an den größten Barockkomponisten Frankreichs: François Couperin. Angeregt von einer Forlane aus Couperins Concerts royaux für Flöte und Basso continuo von ca. 1710 komponierte Ravel eine sechssätzige Klaviersuite, die dem Gedenken nicht nur an Couperin, sondern an seine ganze Epoche gewidmet war. Da die Stücke sukzessive während des Ersten Weltkriegs entstanden, wurden sie bald zu einer Trauermusik ganz andrer Art: Ravel widmete jeden einzelnen Satz dem Gedenken an einen gefallenen französischen Soldaten aus seinem Freundeskreis. So hat der Name Tombeau in diesem Fall auch eine tragische Komponente.

Nach dem Krieg wählte Ravel vier Sätze der Klaviersuite aus, um sie in prachtvoller Weise zu orchestrieren. 1919 vollendete er diese Orchesterfassung des Tombeau, die die Vorlage für unsere Quintettfassung bildete.

Eine dritte Version, nur aus drei Sätzen bestehend, stellte er 1920 für das Schwedische Ballet zusammen, das den Tombeau mehr als 165 mal in seiner Choreographie aufführte. So gehört Le Tombeau de Couperin zu Ravels erfolgreichsten und vielseitigsten Werken. Den drei authentischen Fassungen eine vierte für Bläserquintett hinzuzufügen, erscheint nicht als Sakrileg, zumal in Ravels eigener Orchestrierung die Holzbläser eine überragende Rolle spielen.

Auf ein tragisch gestimmtes Prélude in e-Moll, dessen Motorik aus der Cembalokunst eines Couperin und Rameau abgeleitet ist, folgt die Forlane, der berühmteste Satz des Werkes. Ravel hat hier in subtiler Weise jene wundervoll poetische Forlane von Couperin in E-Dur verarbeitet und zum modernen Klangstück weiterentwickelt. Das Menuet in G-Dur weist als Trio eine Musette auf, ein im Rokoko besonders beliebter Tanz, der die Klänge des Dudelsacks imitiert. Ein Rigaudon, Nachfahre des gleichnamigen schnellen Barocktanzes im Zweiertakt, beschließt wirkungsvoll brillant die Suite.

2007:
Maurice Ravel
Le tombeau de Couperin (1914)

1875 war des Schicksalsjahr der französischen Musik: Am 3. März erlebte in Paris Georges Bizets Carmen ihre umstrittene Premiere. Nur vier Tage später erblickte in dem Pyrenäen-Ort Ciboure unweit der spanischen Grenze ein Kind das Licht der Welt, das zwei Jahrzehnte später als junger Komponist in Bizets Fußstapfen treten sollte: Maurice Ravel. Dass Bizet den Uraufführungsmisserfolg seines Meisterwerks nur um drei Monate überlebte, hat das Schicksal durch Ravel gewissermaßen wettgemacht. In ihm vereinigte sich die glühende Atmosphäre des spanischen Südens mit der Leichtigkeit und melodischen Begabung von Bizet.

“Absolut einfach, nichts als Mozart”, so hat Ravel selbst einmal sein ästhetisches Ideal skizziert. Diese Ästhetik kleidete er in die raffinierteste Instrumentation und Harmonik, den sinnlichsten Rhythmus und die anziehendste Melodik. Wie sein Kollege Claude Debussy ließ er sich dabei von der Musik des französischen Barock inspirieren, insbesondere von dessen größten Meistern: François Couperin und Jean-Philippe
Rameau.

Ersterem, dem großen Cembalisten der letzten Jahre Ludwigs XIV., widmete Ravel am Vorabend des Ersten Weltkriegs seinen Tombeau de Couperin.

Mit Tombeau bezeichneten die französischen Komponisten des Barock Trauerstücke für verstorbene Kollegen. Ravel schrieb 1914 einen solchen Tombeau zur Erinnerung an Couperin und ließ sich dabei von dessen schöner Forlane aus dem 4. Concert royal für Flöte und Basso continuo anregen, die Couperin zweihundert Jahre früher für die intimen Kammerkonzerte in den Gemächern des Sonnenkönigs geschrieben hatte. Ravel entwickelte aus diesem barocken Tanzsatz eine sechssätzige Klaviersuite, die dem Gedenken nicht nur an Couperin, sondern an eine ganze Epoche französischer Musik gewidmet war.

Da die Stücke sukzessive während des Ersten Weltkriegs entstanden, wurden sie bald zu einer Trauermusik ganz anderer Art: Ravel widmete jeden einzelnen Satz dem Gedenken an einen gefallenen französischen Soldaten aus seinem Freundeskreis. So gewann der Name Tombeau eine ganz aktuelle, tragische Bedeutung. Nach dem Krieg wählte Ravel vier Sätze der Klaviersuite aus, um sie zu orchestrieren.
1919 vollendete er diese Orchesterfassung des Tombeau, die als Vorlage für unsere Quintettfassung diente. Eine dritte Version, nur aus drei Sätzen bestehend, stellte Ravel 1920 für das Schwedische Ballet zusammen, das den Tombeau mehr als 165mal aufführte.

Auf diese Weise wurde Le Tombeau de Couperin zu einem von Ravels erfolgreichsten und vielseitigsten Werken. Den drei authentischen Fassungen eine vierte für Bläserquintett hinzuzufügen, erscheint also nicht als Sakrileg, zumal in Ravels
eigener Orchestrierung die Holzbläser eine überragende Rolle spielen.

Auf ein tragisch gestimmtes Prélude in e-Moll, dessen Motorik aus der Cembalokunst Couperins abgeleitet ist, folgt die Forlane, der berühmteste Satz des Werkes. Ravel hat hier in subtiler Weise jene wundervoll poetische Forlane von Couperin in E-Dur verarbeitet und zum modernen Klangstück weiter-entwickelt. Das Menuet in G-Dur weist als Trio eine Musette auf, ein im Rokoko besonders beliebter Tanz, der die Klänge des Dudelsacks imitiert. Ein Rigaudon, Nachfahre des gleichnamigen schnellen Barocktanzes im Zweiertakt, beschließt wirkungsvoll und brillant die Suite.