"Chansons de Bilitis" | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Claude Debussy

"Chansons de Bilitis"

„Chansons de Bilitis“ Szenische Musik zu 12 Gedichten von Pierre Louys

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 3145

Satzbezeichnungen

1. Cant pastoral (Hirtenlied)

2. Les comparaisons (Wettbewerb)

3. Les contes (Die Märchen)

4. Chanson (Lied)

5. La partie d’osselets (DasKnöchelspiel)

6. Bilitis

7. Le tombeau sans nom (Das Grab ohne Namen)

8. Les courtisanes égyptiennes (Die ägyptischen Kurtisanen)

9. L’eau pure du bassin (Das klare Wasser im Becken)
10. La danseuse aux crotales (Die Kastagnettentänzerin)
1
1. Le souvenir de Mnasidika
(Erinnerung an Mnasidika)
1
2. La pluie au matin (Der Morgenregen)

Erläuterungen

2003

CLAUDE DEBUSSY
Chansons de Bilitis

Debussy hat in seiner Musik Querflöte und Harfe zu Instrumenten der mythischen Natur erhoben. Von L’après-midi d’un faune über die Chansons de Bilitis bis zur Syrinx und zur Sonate für Flöte, Viola und Harfe sind sie Träger einer Ästhetik, die er „correspondence mystérieuse de la nature et de l’imagination“, geheimnisvolle Korrespondenz zwischen Natur und Einbildungskraft, nannte.

Junge Mädchen, die die Erotik ihrer Körper entdecken, friedliche Hirtinnen und Kurtisanen in antiken griechischen Städten sind die Protagonistinnen der Chansons de Bilitis. Debussy hat diese Szenische Musik für zwei Flöten, zwei Harfen und Celesta 1900 zu Gedichten von Pierre Louÿs komponiert. Dieser aus dem belgischen Ghent stammende Lyriker hatte es sich zum Ziel gesetzt, die antike Hirtendichtung wiederzubeleben. In den Chansons de Bilitis gelang es ihm so vollendet, antike Dichtung nachzuahmen, dass ihm selbst Antikenkenner glaubten, er habe hier originale Verse der pamphylischen Hirtin, Priesterin und Kurtisane Bilitis aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. aus dem Altgriechischen ins Französische übertragen. In Wirklichkeit handelte es sich um freie Erfindungen von Louÿs. Die 12 Texte, die Debussy aus dem umfangreichen Zyklus auswählte und mit kurzen musikalischen Impressionen illustrierte, zeichnen den Lebensweg der Dichterin nach, so wie ihn Louÿs in seiner Einleitung beschrieb. Die Erzählung beginnt am Fuße des Gebirges Taurus unter Hirtinnen, die erste erotische Erfahrungen austauschen, führt dann auf die Insel Lesbos, wo Bilitis Sappho begegnet und sich in eine Frau namens Mnasidika verliebt, und endet auf Zypern, im Milieu der ägyptischen Kurtisanen.
Debussy hat diese die weibliche Erotik verherrlichende Musik für eine kleine szenische Produktion in Paris geschrieben und später zu dem Zyklus Six Epigraphes antiques für Klavier zu vier Händen umgearbeitet.