Trio d'Anches, op. 206 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Charles Koechlin

Trio d'Anches, op. 206

Trio d’Anches, op. 206

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 3568

Satzbezeichnungen

1. Grave et serein, presque adagio

2. Allegro (non troppo)

3. Andante très calme

4. Final. Allegro très animé

Erläuterungen

2003

CHARLES KOECHLIN
Trio d’anches

Charles Koechlin war eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten des Frankreichs in der Epoche von Ravel und Debussy. Als Sohn eines reichen Industriellen im Elsass geboren, studierte er in Paris Komposition bei Gabriel Fauré. Trotz seiner schier unglaublichen Produktivität als Komponist verdiente er seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit musikkritischen und -theoretischen Schriften; später wandte er sich kommunistischer Lebensanschauung und Ideologie zu. Koechlin war mit den Großen seiner Zeit befreundet: er gründete 1909 zusammen mit Ravel eine Gesellschaft zur Förderung der Neuen Musik, instrumentierte ein Werk von Debussy in dessen Auftrag und wollte gemeinsam mit Satie, Milhaud und Roussel eine Musikergruppe gründen, die die spätere Groupe des Six vorweggenommen hätte. Von seinem umfangreichen Schaffen wurden in Deutschland bislang nur wenige Werke bekannt, etwa sein Zyklus von Orchesterstücken über Kiplings Dschungelbuch. Dazu hat auch seine wenig selbstkritische Haltung beigetragen, die dafür sorgte, dass bei ihm Bedeutendes neben Missratenem steht – oft in einem einzigen Werk.

Koechlin hat den Holzbläsern viele dankbare Werke gewidmet, darunter zwei in Triobesetzung. Nach einem ersten Trio in g-Moll von 1924, das er alternativ für Flöte (Oboe), Klarinette und Fagott oder für Streichtrio entwarf, schrieb er 1945 ein echtes Trio d´anches, op. 206. Unter dieser Bezeichnung versteht man ein Trio aus jenen drei Blasinstrumenten, die mithilfe von Blättern aus Schilfroh (französisch anche) geblasen werden: Oboe, Klarinette und Fagott.

In dem viersätzigen Werk hat Koechlin zum einen von der Polytonalität Gebrauch gemacht: die drei Musiker spielen gleichzeitig in verschiedenen Tonarten, was reizvolle Dissonanzen und Mehrdeutigkeiten der Harmonik nach sich zieht. Zum anderen ist das Stück typisch für Koechlins freien Umgang mit Formen. Am Anfang steht kein Allegro, wie es sonst üblich ist, sondern ein ernstes und schweres Adagio, möglicherweise ein Hinweis auf das Entstehungsjahr 1945. Ein noch moderat schnelles Allegro wird von einem zweiten langsamen Satz, einem „sehr ruhigen“ Andante, verdrängt. Erst im Finale überlassen sich die drei Spieler gänzlich einem munteren, rasanten Tanzschritt.