Réminiscences de Don Juan | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Franz Liszt

Réminiscences de Don Juan

Réminiscences de Don Juan (nach Mozarts Don Giovanni)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 4064

Satzbezeichnungen

Erläuterungen

1999
FRANZ LISZT
Don Juan-Fantasie
Das Jahr 1841 brachte für den reisenden Virtuosen Franz Liszt mehrere unvergeßliche Erlebnisse: die erste Begegnung mit Wagner, umjubelte Konzerte in Paris, London und Hamburg, die Bekanntschaft des Fürsten Lichnowsky, den er in Mainz kennenlernte, und am Ende des Jahres sein Debüt in Weimar, wo er später die wichtigste Stellung seines Lebens antreten sollte. Zwischen diesen biographischen Hauptdaten steht eine Idylle: sein Herbstaufenthalt auf der Insel Nonnenwerth im Rhein zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Gräfin d’Agoult, und ihren Kindern. Dem unvergeßlichen Eindruck, den der Rhein in ihm hinterließ, verdanken wir seine ersten deutschen Lieder (Loreley und Nonnenwerth), das Rheinweinlied für Chor und Orchester und eine Reihe von Klavierstücken. Auch die Réminiscences de Don Juan entstanden 1841 und dürften von Liszt auf seinen Konzerten in der Umgebung von Nonnenwerth (Koblenz, Bonn, Köln) gespielt worden sein. Er hat diese Fantasie über Themen aus Mozarts Don Giovanni später selbst für zwei Klavier arrangiert. In dieser Fassung erschien das Werk 1877 im Druck.
Beschreibungen von Liszts Spiel beziehen stets das Faszinosum der im Augenblick entstehenden Musik, der Improvisation, mit ein, die in seinen diversen „Transcriptionen“ gipfelte. Liszt sah sich selbst als Schöpfer dieses Genres der Klaviermusik an: „Das Wort Transcription ward von mir zum 1sten Mal gebraucht, desgleichen Réminiscences, Paraphrase, Illustration, Partition du Piano“.
Besonders berühmt wurden seine Réminiscences über Opernthemen. Der Liszt-Schüler Alexander Serow bezeichnete sie als „die Quintessenz des Charakters der ganzen Oper“: „Die Hauptpersonen und -situationen aller dieser Musikdramen gingen an uns wie lebendig vorüber, wobei auch die Brillanz und Erhabenheit des Spiels mit Tönen, die ‚Pyrotechnik‘ der Kunst des Virtuosen, nicht vergessen war, sondern im Gegenteil die verblüffendsten, blendendsten Ausmaße annahm, um in dem Feuerwerk der Triller, filigranartigen Verzierungen, Kaskaden, blitzeschleudernden Oktaventonleitern unerwartet aufs neue die Themen aufsteigen zu lassen, wie auftauchend aus diesem Tonschwall, sich umarmend und in immer neuen wunderlichen Arabesken miteinander verflochten.“
Karl Böhmer