Hochzeitssinfonie C-Dur (1797) | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Joseph Aloys Schmittbaur

Hochzeitssinfonie C-Dur (1797)

Hochzeitssinfonie C-Dur (1797)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer:

Satzbezeichnung

Adagio – Allegro assai
Romance. Adagio molto
Menuetto. Allegro – Trio
Prestissimo

Erläuterung

JOSEPH ALOYS SCHMITTBAUR

Am 15. März 1797 wurde das Rohrbacher Schlösschen bei Heidelberg zum Schauplatz einer wahrhaft fürstlichen Hochzeit: Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken hatte in zweiter Ehe die Tochter des Markgrafen von Baden geheiratet, Prinzessin Caroline. Die Trauung hatte sechs Tage zuvor in der Schlosskapelle zu Karlsruhe stattgefunden, doch die Feier verlegte man in das kleine Schloss bei Heidelberg. Es diente dem Bräutigam als Refugium, seit die Franzosen sein Herzogtum Pfalz-Zweibrücken besetzt hatten. Ein Wittelsbacher-Herzog im Exil heiratete also eine badische Prinzessin – nicht mehr und nicht weniger. Der Bräutigam war katholisch, die Braut protestantisch, er 40 Jahre alt, sie 20. Eine Liebesheirat war es nur für ihn, doch Caroline willigte ein, weil sie ihren Glauben weiter praktizieren durfte. Zwar wusste das Paar damals schon, dass es einmal als Kurfürstenpaar in München einziehen würde. Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern war alt, kränklich und ohne legitime Nachkommen, der Zweibrücker Herzog der Nächste in der Erbfolge. Dass aber aus Max Joseph und Caroline neun Jahre später das erste Königspaar Bayerns werden würde, konnte 1797 noch keiner ahnen. Entsprechend „pfälzisch“ war die Hochzeit ausgerichtet: Die Studenten aus Heidelberg brachten ein Ständchen, der Adel aus Mannheim reiste an. Den Kapellmeister und die Kapelle freilich sandte der Brautvater aus Karlsruhe: Hofkapellmeister Joseph Aloys Schmittbaur dirigierte die badische Hofkapelle in einer Sinfonie, die er eigens zum Ereignis komponiert hatte: Sinfonia bey Gelegenheit der Höchsten Vermählung lautet der authentische Titel dieses Werkes, das an Glanz nichts zu wünschen übrig ließ. Sein Komponist, der geborene Bamberger Schmittbaur, war damals schon fast 80 Jahre alt, doch immer noch rüstig genug für den festlichen Anlass.

Die Sinfonie beginnt unerwartet düster: mit einer langsamen Einleitung in c-Moll. Leise Bebungen im Pianissimo, Seufzer der Bläser und eine Klagemelodie der ersten Oboe lassen eher an Trauer- denn an Hochzeitsmusik denken. Tatsächlich war es kaum ein Jahr her, dass Schloss Rohrbach zum Schauplatz für ein Trauerspiel wurde: Max Josephs erste Gattin, Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt, war im Schloss an Tuberkulose gestorben, geschwächt auch durch die mehrfache Flucht vor den Franzosen. Der Beginn der Sinfonie spielt auf diese Trauer des Vorjahres an. Engelsgleich erscheint mitten in der Düsternis ein wunderschönes Es-Dur-Thema der hohen Flöte – ein Klangsymbol für Prinzessin Caroline. Sie hatte den Bräutigam schon bei der ersten Begegnung in ihren Bann geschlagen, was ihr weiteres Schicksal besiegeln sollte. Geschickt ließ Schmittbaur nach dem Flötenthema noch einmal die Klagetöne Überhand nehmen, bevor sich im Allegro endlich festliches C-Dur durchsetzt. Auf das fast zögerliche Piano-Thema der Streicher folgt ein jubelndes Tutti in hellstem C-Dur. Das Seitenthema lässt Mozarts „Zauberflöte“ anklingen, wie auch das Hauptmotiv des Allegro aus Mozarts „Prager Sinfonie“ entlehnt ist. Die kunstvolle Durchführung und die ganz regelgerechte Reprise weisen Schmittbau als Meister seines Fachs aus.

Auch die übrigen Sätze leben von Kontrasten: Die schöne Romanze des zweiten Satzes verharrt zunächst in ungetrübtem F-Dur. Ihr schönes Thema wird von den Streichern mit Dämpfern auf den Saiten zart gezeichnet und von den hohen Flöten in Pastellfarben koloriert. Plötzlich bricht ein wildes Forte in f-Moll über die Idylle herein. Die martialische Wucht der schneidenden Klänge und die Marschrhythmen lassen spüren, dass im März 1797 die Angst vor den siegreichen Franzosen bei den Hochzeitsgästen noch tief saß. Dafür hatten sie gute Gründe: Die Italienarmee Bonapartes stand in der Steiermark und war im Begriff, auf Wien loszumarschieren. Im April sollte General Hoche überraschend den Rhein überqueren und die Österreicher bei Neuwied schlagen. Bis zum Frieden von Campo Formio im Oktober 1797 war es noch ein weiter Weg. Auch der greise Schmittbaur mochte in seiner Musik die Bedrohung nicht ausklammern. Nach dem düsteren Moll-Einbruch stellt sich die Idylle nur mühsam wieder ein. Übrigens sollte die Braut Caroline von Baden später als bayerische Königin zur unversöhnlichen Feindin Napoleons werden – das Einzige, was sie mit ihrem aufmüpfigen Stiefsohn Ludwig, dem späteren König Ludwig I., verband.

Das Menuett hätte gut in den Festball gepasst, der aus Anlass der Hochzeit auf Schloss Rohrbach stattfand. Es beginnt leise und spannungsvoll, um dann in ungehemmte Tanzlaune auszubrechen – mehr ein früher Walzer als ein Menuett. Das Fagottsolo im Trio verrät, dass sich Schmittbaur auch Haydns Sinfonien gut angesehen hat.

Im Finale gibt es dann kein Halten mehr: Prestissimo, reinstes C-Dur, große Unisono-Geste der Streicher, Applaus der Bläser. Hochzeitsmusik. Am Ende aber wollte Schmittbaur dem großen Haydn Konkurrenz machen und lockte seine Zuhörer in die Falle. Bitte nicht zu früh klatschen, denn auf den rauschenden Schluss folgt noch eine ganz kurze, ganz leise Coda.