Trio d-Moll, Wq 145 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Carl Philipp Emanuel Bach

Trio d-Moll, Wq 145

Trio d-Moll, Wq 145

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer:

Satzbezeichnung

Allegretto
Largo
Allegro

Erläuterung

Der Poet der Empfindsamkeit unter den Bachsöhnen Carl Philipp Emanuel, der Zweitälteste. Er war zugleich ein Poet der Traversflöte. Als Helfer bei der väterlichen Kirchenmusik in Leipzig hatte Carl Philipp die Traversflöte kennen und lieben gelernt. Die Studienzeit in Frankfurt an der Oder vertiefte diese frühe Liebe und ließ einige der ersten Flötensonaten des Bachsohns entstehen. Er war also bestens gerüstet, als ihn Friedrich der Große kurz vor seiner Thronbesteigung als ersten Cembalisten in seine Hofkapelle berief. Carl Philipp hatte die Ehre, 1740 das erste Flötensolo zu „accompagnieren“, das Friedrich als König gab.

Das friderizianische Berlin und Potsdam waren Flötenland. Nicht nur der König selbst, auch seine engsten Vertrauten wie der Kammerdiener Fredersdorff oder Graf Rothenburg waren Flötisten. Die Stellung des königlichen Flötenlehrers Johann Joachim Quantz bei Hofe war sakrosankt, was die Berliner zum Spott herausforderte. Carl Philipp Emanuel Bach reagierte in seriöser Weise auf die friderizianische Vorliebe für sanfte Flötentöne: durch Konzerte, Sonaten und Trios, in denen er der unverwechselbaren Tonfall des friderizianischen Rokoko mit der kontrapunktischen Meisterschaft der Bachschule vermählte. Gleich im Eingangssatz jenes Trios in d-Moll, das im Wotquenne-Verzeichnis der Werke Carl Philipps die Nummer 145 trägt, spürt man das Ausdrucksvoll-Singende seiner Manier. Obwohl die beiden Flöten streng imitatorisch geführt sind und die Vorhaltsdissonanzen Bachsches Familienerbe verraten, ist es die eigenartige Melancholie der Hofmusik Friedrichs des Großen, die sich in den Themen niederschlägt. Mehrfach sorgt der chromatisch absteigende Quartgang, der altehrwürdige „Lamentobass“ der Barockzeit, für rührende Steigerungen der Harmonik.

Der langsame Satz hebt mit einer zärtlichen F-Dur-Melodie an, die aus lauter Seufzerfiguren besteht. Die zweite Flöte stimmt zunächst in den Gesang ein, geht dann aber zu lebhaftem Dialog mit der ersten über. Das Zwiegespräch gipfelt in einer Quintfallsequenz von herzzerreißender Wirkung. Eigenwillig ist der Schluss des Satzes: ein plötzlicher Wechsel ins düstere Moll, die in eine chromatische Kadenz der beiden Flöten mündet, um dann unversehens wieder nach Dur zurückzulenken.

Im Finale regieren Tanzrhythmus und perlende Geläufigkeit wie einst im Finale der G-Dur-Sonate des Vaters, nur singender und galanter. Im zweiten Teil des Satzes sorgt wieder der „Lamentobass“ für bewegende Momente.

Der erste und zweite Satz dieses Trios sind fast identisch mit zwei Sätzen der einstmals Johann Sebastian Bach zugeschriebenen Sonate BWV 1036. Einiges deutet darauf hin, dass Carl Philipp diese Sätze noch im Unterricht bei seinem Vater komponiert hat.