Feuerwerksmusik | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Georg Friedrich Händel

Feuerwerksmusik

Feuerwerksmusik (Music for the Royal Fireworks)

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 760

Satzbezeichnungen

1. Ouverture. Lentement – Allegro – Lentement

2. Bourrée

3. La Paix. Largo a la Siciliana

4. Minuet

5. La Réjouissance. Allegro

6. Final. Minuet

Erläuterungen

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL schrieb seine Musick for the Royal Fireworks für ein königliches Feuerwerk, das anläßlich des Friedens von Aix-La-Chapelle (Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges 1748) am 27. April 1749 im Londoner Green Park gegeben wurde. König Georg II., der zunächst jede Art von Musik zu diesem Anlaß abgelehnt hatte, ließ sich durch seinen Master General of the Ordnance umstimmen, freilich unter der Bedingung, daß die Musik “aus nichts anderem als Militärinstrumenten bestehe”. Händel weigerte sich zunächst standhaft, auf seine geliebten “fiddles” (Violinen) bei diesem festlichen Anlaß zu verzichten, was das ganze Projekt gefährdete. Schließlich fügte er sich doch noch dem königlichen Willen und fertigte eine Erstfassung der Feuerwerksmusik ausschließlich für “martial instruments” an.

Allein die Zeitungsmeldung, es werde eine “Musick, composed by Mr. Handel for the Royal Fireworks” geben, versetzte die Londoner in solche Begeisterung, daß die öffentliche Generalprobe im Vergnügungspark Vauxhall den ersten Stau in der Londoner Geschichte auslöste. Stundenlang mußten die Herrschaften in ihren Kurtschen auf der London Bridge ausharren, weil sich nichts mehr bewegte; dabei kam es zu etlichen Handgreiflichkeiten. Auch die eigentliche Aufführung der Royal Fireworks und ihrer Musick (so die ältere englische Version des Wortes) war von Pannen begleitet. Vor der Überfülle der Raketen mußten sich die Zuschauer unter die Bäume des Green Park retten; ein Teil der prachtvollen Illuminations-Architektur ging in Flammen auf, was den italienischen Architekten so sehr erzürnte, daß er mit dem Degen auf den englischen Pyrotechniker losging. Als es schließlich auch noch zu regnen anfing, hatte die Londoner Presse genügend Stoff für detaillierte Sensationsberichte, denen wir unser Bild der Entstehung des berühmten Werkes verdanken. Nicht alles sollte man dabei für bare Münze nehmen. So konnte man lesen, Händels Musik sei von über 100 Personen gespielt worden; tatsächlich wurde sie “nur” in einer Besetzung mit 24 Oboen, je 9 Hörnern und Trompeten, 12 Fagotten, Kontrafagott und drei paar Kesselpauken aufgeführt. In einem Punkt ist den Berichten jedoch zu vertrauen: Die landläufige Vorstellung, Händels Suite sei während des Feuerwerks erklungen, ist falsch; sie wurde gespielt, “before the Fireworks begin”, und zwar unter dem Mittelbogen der prachtvollen Holzarchitektur des Chevalier Sevandoli, die wenig später ein Raub der Flammen wurde.

Die Bearbeitung unseres Programms, die notgedrungen auf Oboen, Fagotte und Pauken verzichtet, hat Elgar Howarth angefertigt. Er konnte bis zu einem gewissen Grad auf die Wirkungen von Händels eigener Urfassung zurückgreifen, wobei in der Ouvertüre die Hörner die tragende Rolle der Oboen übernehmen. Da aber nicht alle Sätze dieser Bearbeitung als gleichwertig geglückt anzusehen sind, spielen die Musiker eine gekürzte Version. Dies entspricht durchaus Händels eigenem, pragmatischem Umgang mit seinen Suiten, wie man ihn z. B. an den Fassungen der Wassermusik beobachten kann.