Sonate C-Dur, BWV 1005 | Kammermusikführer - Villa Musica Rheinland-Pfalz

Johann Sebastian Bach

Sonate C-Dur, BWV 1005

Sonate Nr. 3 C-Dur für Violine solo, BWV 1005

Besetzung:

Werkverzeichnisnummer: 96

Satzbezeichnungen

1. Adagio

2. Fuga

3. Largo

4. Allegro assai

Erläuterungen

Wenn Bachs f-Moll-Sonate mit Cembalo das irdische Jammertal besingt, so öffnet sich im reinen C-Dur der dritten Solosonate das himmlische Jerusalem. Über einem ruhigen C mit Wechselnote im punktierten Rhythmus türmen sich allmählich immer vollere Akkorde auf. Die Harmonik, die taktweise wechselt, schweift dissonant in immer entferntere Regionen ab, um ganz am Schluss auf wundersame Weise nach C-Dur zurückzufinden. Bach hat den monumentalen Effekt dieser Einleitung in einer Cembalobearbeitung des Satzes (BWV 968) zu geradezu bestürzender Harmoniefülle gesteigert.

Die feierlichen Akkorde des Adagios öffnen das Tor zu einer der längsten Fugen, die Bach geschrieben hat. Dass der Orgel- und Cembalomeister Bach dieses Wunderwerk an Kontrapunkt und Architektur den vier Saiten einer Violine anvertraute, beweist allein schon, wie sehr er das Instrument geliebt hat. Die Fuge ist siebenteilig angelegt: vier Durchführungen des Themas wechseln mit drei langen, virtuosen Zwischenspielen ab. Die erste Fugendurchführung wird am Ende tongetreu wiederholt, als Da Capo, woraus eine monumentale Symmetrie entsteht:
Fuge Teil I © – Zwischenspiel (C/a)
Fuge Teil II enggeführt (a/e) – Zwischenspiel (e/G)
Fuge Teil III al riverso (G/C) – Zwischenspiel ©
Fuge Teil I da capo ©

Der zweite Fugenteil widmet sich der Engführung des Themas, der dritte der Umkehrung, was Bach durch den Zusatz al riverso (in Gegenbewegung) in den Noten vermerkt hat. Im zweiten und dritten Zwischenspiel wird das Fugenthema über zwei langen Orgelpunkten in geradezu ekstatische Höhenlagen geführt. Der Choral Veni creator spiritus (siehe oben) erfährt seine geigerische Apotheose.

Auf diesen monumentalsten Satz der drei Solosonaten folgt der schlichteste: ein entwaffnend schönes F-Dur-Largo, das man unschwer auf Violine und Basso continuo übertragen könnte. Umso brillanter gibt sich das Finale, dem Niveau der Fuge angemessen: ein Allegro im Dreivierteltakt mit allem, was zu einem brillanten italienischen Finale dazugehört. Die Geige brilliert in Tiraten, Bariolagen und Lagenwechseln, wobei ganz nebenbei das Kopfmotiv des Satzes verarbeitet wird. Wenn es einen eingängigen Satz in den Solosonaten gibt, dann diesen.